Mi, 12. Dezember 2018

Bohrung am Krappfeld

23.09.2018 11:48

„Da unten hat noch keiner nachgesehen“

So tief wie noch nie zuvor in Südösterreich wird auf dem Krappfeld nach Bodenschätzen gebohrt. - Wie weit geht es denn nach unten? Wie tief darf man bohren? Was ist dort?

Zentimeter für Zentimeter frisst sich der Meißel nach unten. Auf der Suche nach Thermalwasser, Erdöl und Gas hat die Explorationsbohrung des Industriellen Hans Tilly 2000 Meter Tiefe erreicht. Das Bohrteam um Drilling-Supervisor Stefan Hipfl hat damit Neuland betreten.

Was findet man so tief in der Kärntner Erde? „Das können wir nicht sagen. Da unten hat noch keiner nachgesehen - tiefer als 1700 Meter wurde nie gebohrt“, so Professor Herbert Hofstätter von der Montanuni Leoben. Tilly will fast doppelt so tief vordringen, um heißes Wasser für die Energieversorgung zu fördern.

Trotz geologischer Voruntersuchungen ist unklar, ob das Bohrteam fündig wird. Kärnten ist auf der Bohrlandkarte ein weißer Fleck. Dabei hat der Tiefendrill in Österreich Tradition. Bei einer „sensationellen Pionierleistung“, wie Hofstätter sagt, haben Experten auf der Suche nach Erdgas 1980 in Niederösterreich das damals tiefste Loch in Europa gebohrt; bei der Bohrung „Übertief 2A“ ging es 8553 Meter hinunter. Heute gibt es mehr als 1000 Löcher; Öl, Gas und Thermalwasser werden gefördert.

UdSSR startete Projekt mit 12.262 Metern Tiefe
Das Vordringen in die Tiefe, dem Mittelpunkt der Erde entgegen, hat die Menschen immer fasziniert. Was während des Rennens um die Vorherrschaft im Weltraum untergegangen war: In den Siebzigerjahren lieferten sich die USA und die Sowjetunion auch ein Match um die größte Tiefe. Die UdSSR starteten das Projekt „Supertiefe Bohrung SG-3“. 12.262 Meter tief fraß sich damals der Bohrer durch Gestein auf der Kola-Halbinsel im Norden Russlands. Dabei stieß man auf Gold, unbekanntes Mondgestein, Hitze und sonderbare Geräusche: Ein Schauermärchen über menschliche Schreie aus der Tiefe und darüber, dass man die Hölle angebohrt hätte, machte die Runde - und hält sich teils bis heute. Vor allem religiösen Kreisen war das Superloch nicht geheuer - und man stellt sich die Frage, wie tief man gehen darf. Irgendwann wurde den Russen das ewige Buddeln dann zu teuer. Das Loch wurde geschlossen. Die Bohrung ist bis heute die tiefste der Welt.

3000 Meter sind am Krappfeld genehmigt
Auf dem Krappfeld will man keine Weltrekorde aufstellen. Bis 3000 Meter ist die Bohrung genehmigt. „Es ist trotzdem super spannend, weil wir nicht wissen, was uns da unten erwartet“, sagt Drilling-Supervisor Stefan Hipfl. Er hat schon in Dubai und Abu Dhabi nach Öl und Gas gebohrt. Jetzt sucht er in Kärnten Thermalwasser. „In guten Gebieten steigt die Temperatur um drei Grad pro 100 Meter“, weiß Bernd Böchzelt, Experte für geothermale Erschließungsprojekte. Wird ein geeignetes Vorkommen entdeckt, wird das 100 Grad heiße Wasser an die Oberfläche gefördert, wo ihm die Energie entzogen wird. Das abgekühlte Wasser wird über ein zweites Bohrloch in den Untergrund zurückgeführt (Grafik). Und sollte die Bohrexpedition doch auf Erdöl stoßen, steht ein Blowout-Preventer bereit. Damit wird ein unkontrolliertes Austreten der Ressource - wie bei der Ölplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010 - verhindert.

Thomas Leitner
Thomas Leitner

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