Do, 20. September 2018

Bezos im Interview

08.09.2018 09:15

Amazon-Milliardär: „Habe 100 Ideen pro Stunde“

Der Online-Gigant Amazon ist längst zum absoluten Liebling der Wall Street geworden. Anfang September knackte das Unternehmen, das sich in 20 Jahren vom Buchhändler zum „Allesverkäufer“ im Internet entwickelte, die Börsenwert-Schallmauer von mehr als einer Billion Dollar. Davon profitiert als Großaktionär auch Chef Jeff Bezos stark. Sein Vermögen - er gilt als der reichste Mensch der Welt - vermehrt sich rasant und um die Zukunft muss man sich wohl auch keine Sorgen machen, denn in einem Interview mit „Forbes“ sagte der 54-Jährige, demzufolge für Amazon „die besten Zeiten erst kommen“: „Ich habe viele Ideen. In einer Stunde kann ich 100 Ideen auf ein Blatt Papier schreiben.“

Ein leichter Kursanstieg von knapp zwei Prozent reichte am Dienstag, um Amazons Börsenwert über die Billionenschwelle zu befördern. Zwar ist die Eins mit den zwölf Nullen keine Weltpremiere - der iPhone-Riese Apple schrieb bereits Anfang August Finanzgeschichte als erstes US-Unternehmen mit dreizehnstelliger Marktkapitalisierung. Das macht Amazons Erfolg jedoch kaum weniger beeindruckend: Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um 75 Prozent gestiegen, damit wuchs der Börsenwert in diesem Zeitraum um mehr als 435 Milliarden Dollar (rund 375 Milliarden Euro).

Bezos vor Gates reichster Mensch der Welt
Für Amazon-Gründer Bezos zahlt sich die Euphorie der Anleger auch persönlich aus. Das US-Wirtschaftsblatt „Forbes“ schätzte sein Vermögen zuletzt auf 166,6 Milliarden Dollar (rund 144 Milliarden Euro) - damit liegt der Tech-Unternehmer in der Liste der reichsten Menschen der Welt inzwischen mit einem Vorsprung von mehr als 70 Milliarden Dollar vor Microsoft-Gründer Bill Gates und Starinvestor Warren Buffett. Bezos profitiert als Großaktionär persönlich stark von den Kursanstiegen der Anteilsscheine seines Unternehmens.

Vom Online-Buchhändler zum „Allesverkäufer“
Der Aufstieg von Amazon ist vor allem dem Erfolg des Internet geschuldet. 1994 gab Bezos für seine große Vision - alles Mögliche online zu verkaufen - einen komfortablen Wall-Street-Job auf und tauschte sein Büro in einem New Yorker Wolkenkratzer gegen eine Garage in Seattle. Er startete zunächst mit Büchern, entwickelte die Firma dann zum weltgrößten Internetkaufhaus und hält mit Amazons boomenden Cloud-Services, die etwa Start-ups IT-Anwendungen und Speicherplatz im Netz bieten, inzwischen unzählige Firmen am Laufen.

Expansion läuft auf Hochtouren
Dabei läuft die Expansion weiter auf Hochtouren - im Streaming-Markt etwa jagt Amazons Prime-Dienst Marktführer Netflix und mit dem Aufbau einer eigenen Lieferlogistik tritt der Konzern immer stärker in Konkurrenz zu etablierten Paketzustellern wie UPS, Fedex oder DHL. Und niemand weiß so recht, welche Branchen Bezos als nächstes aufmischen wird. An der Börse hatte Amazon wegen chronisch roter Zahlen lange Zeit trotzdem einen eher schweren Stand. Doch seit der Konzern auch noch zuverlässig Gewinne liefert, ist er auch zu einem Liebling der Wall Street geworden.

Auf Kriegsfuß mit Donald Trump
Dennoch hat das Unternehmen aus Seattle längst nicht nur Fans. Wegen angeblich schlechter Arbeitsbedingungen gibt es immer wieder Kritik, zudem wird Amazon vorgeworfen, mit seiner großen Marktmacht und seinen Niedrigpreisen dem stationären Einzelhandel das Leben schwer zu machen. Amazons wohl mächtigster Feind heißt jedoch Donald Trump und sitzt im Weißen Haus. Der US-Präsident schießt schon lange gegen den Konzern, den er unter anderem für die Finanzprobleme der US-Post verantwortlich macht. Als Hauptgrund für Trumps Argwohn gilt allerdings eher, dass er mit der US-Zeitung „Washington Post“ auf Kriegsfuß steht, die häufig kritisch über ihn berichtet und sich im Privatbesitz von Bezos befindet.

 krone.at
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