Fr, 21. September 2018

Mitarbeiter packt aus:

06.09.2018 09:00

Aktiver Widerstand im Weißen Haus gegen Trump

Ein ranghohes Mitglied der US-Regierung hat mit Präsident Donald Trump abgerechnet. Führende Mitarbeiter versuchen demnach aktiv, Trumps Politik zu untergraben, um Schaden vom Land abzuwenden. „Das Dilemma - welches er nicht ganz begreift - ist, dass viele ranghohe Beamte seiner eigenen Regierung unablässig daran arbeiten, Teile seiner Politik und seiner schlimmsten Einfälle zu vereiteln“, heißt es in einem anonymen Gastbeitrag in der „New York Times“.

Der Gastbeitrag trägt den Titel „Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Regierung“. Die Zeitung erklärte, den Bericht auf Wunsch des Autors anonym veröffentlicht zu haben. Dem Blatt sei die Identität des Autors bekannt. Während die Zeitung die Veröffentlichung am Mittwoch verteidigte, sprach der Präsident von „Verrat“ und forderte die „Auslieferung“ des Autors - sollte dieser „wirklich existieren“ - an die Regierung.

Auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, verurteilte den anonymen Gastbeitrag. „Knapp 62 Millionen Menschen haben 2016 Präsident Donald J. Trump gewählt“, erklärte sie. „Niemand von ihnen hat eine feige, anonyme Quelle der angeschlagenen ,New York Times‘ gewählt."

„Ich sollte das wissen, ich bin einer von ihnen“
Der Autor oder die Autorin beschreibt sich selbst als ranghohen Regierungsmitarbeiter. In dem Artikel wird von der gezielten Torpedierung von Trumps Politik durch die eigenen Mitarbeiter geschrieben. Ihr Ziel sei es dabei, die „fehlgeleiteten Impulse“ des Präsidenten zu bändigen. „Ich sollte das wissen, ich bin einer von ihnen“, schreibt der Verfasser. Das Blatt räumte ein, dass es sich um einen „seltenen Schritt“ handle, einen anonymen Leitartikel zu veröffentlichen. Der Arbeitsplatz des Autors sei aber in Gefahr, wenn sein Name genannt werde. „Wir glauben, dass die anonyme Veröffentlichung dieses Essays der einzige Weg ist, unseren Lesern eine wichtige Perspektive zu geben“, hieß es.

Der Autor betont, er oder sie fühle sich der Politik der Republikaner weiterhin verpflichtet und stehe nicht aufseiten der Demokraten. Aber: „Wir glauben, unsere erste Verpflichtung gilt diesem Land, und der Präsident handelt weiterhin in einer Weise, die der Gesundheit unserer Republik schadet. Deshalb sind wir entschlossen, alles zu tun, was wir können, um unsere demokratischen Institutionen zu bewahren und die am meisten fehlgeleiteten Impulse von Herrn Trump zu konterkarieren, bis er aus dem Amt ist.“

„Zweigleisige Präsidentschaft“
Es handle sich um eine „zweigleisige“ Präsidentschaft, in der Trump etwas sage und seine Mitarbeiter bewusst etwas anderes täten, heißt es weiter. Der Autor erwähnt dabei etwa Trumps „Vorliebe für Autokraten und Diktatoren“. Die Mitarbeiter bemühten sich, sich von Trumps „ungestümem, feindlichem, kleinlichem und ineffektivem“ Führungsstil abzugrenzen. „Die Ursache des Problems ist die Unmoral des Präsidenten“, heißt es weiter.

Dem Bericht zufolge diskutierten einige US-Beamte bereits kurz nach Trumps Amtsantritt die Anwendung des 25. Verfassungszusatzes, wonach ein US-Präsident abgesetzt werden kann, der als für die Ausübung des Amtes ungeeignet befunden wird. „Aber niemand wollte eine Verfassungskrise herbeiführen, also werden wir tun, was wir können, um die Regierung in die richtige Richtung zu steuern, bis es - auf die eine oder andere Weise - vorbei ist.“

Trump droht durch Enthüllungsbuch neuer Skandal
Erst am Dienstag waren Auszüge aus dem neuen Buch von US-Reporterlegende Bob Woodward bekannt geworden, in dem dieser ebenfalls berichtet, ein Großteil der Trump-Mitarbeiter torpediere bewusst dessen Politik.

 krone.at
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