Fr, 16. November 2018

Fünfeinhalb Jahre Haft

05.09.2018 14:54

Hochstapler luchste Millionären 23 Mio. Euro ab

Unglaubliche 23 Millionen Euro hat ein Wiener IT-Techniker innerhalb von wenigen Monaten zwei Millionären abgeluchst. Gelungen war ihm das offenbar aufgrund seiner großen Fantasie und Überzeugungskraft: So tischte der verheiratete Familienvater den beiden Opfern fantastische Geschichten auf, nutzte das Geld, um sich und seiner Affäre ein Leben in Saus und Braus zu ermöglichen. Am Mittwoch wurde der 28-Jährige schließlich zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

„Ich hab‘ eine Scheinwelt erschaffen für mich“, gab der mittellose IT-Techniker zu Protokoll. Er hätte „komplett den Sinn für die Realität verloren“ und wäre „aus der Abwärtsspirale nicht mehr rausgekommen“, meinte der von den Verteidigern Herbert Eichenseder und Norbert Wess prominent vertretene Angeklagte. Der Hochstapler hatte seinen Opfern, die jeweils mit dem Weiterverkauf von erfolgreich aufgebauten Familienunternehmen ihr Vermögen gemacht hatten, lukrative Geschäftsverbindungen mit Dubai vorgetäuscht. So gab er vor, Zugang zu begehrten IT-Produkten zu haben, die sich in Europa gewinnbringend an den Mann bringen ließen.

Die Millionäre ließen sich zu Investments in Form von großzügigen Darlehen bzw. Beteiligungen überreden. Das kostete den einen laut Anklage am Ende rund 2,5 Millionen, den anderen mehr als 20,5 Millionen Euro. Kennengelernt hatte der Angeklagte seine späteren Opfer in einem Tätowier-Studio. Als Stammkunde kam er dort mit einem der Millionäre ins Gespräch, dieser stellte ihm in weiterer Folge seinen gleichermaßen finanziell gut gepolsterten besten Freund vor.

„Es war nicht wirklich schwierig“
Gänzlich gutgläubig waren die beiden Millionäre jedoch nicht. So heuerten sie etwa einen Privatdetektiv an, der den 28-Jährigen genauer unter die Lupe an. Als dann auch noch ein Vermögensberater dem jungen Mann einen Überziehungsrahmen von mehreren Hunderttausend Euro verschaffte, fühlten sich die beiden Opfer abgesichert genug und ließen sich zu den Investments hinreißen. „Es war nicht wirklich schwierig, dass ich mir Taktiken hab‘ ausdenken müssen. Es hat irgendwann funktioniert“, erklärte dazu der Angeklagte. Er habe „nur mehr telefonieren müssen“.

Die Millionen an Euro verwendete der verheiratete Vater eines minderjährigen Kindes, um sich und seiner außerehelichen Lebensgefährtin ein Leben in Luxus zu ermöglichen. Die Beute sei „in Flitter und Tand und ein ausschweifendes Leben“ geflossen, konstatierte die Staatsanwältin.

Er ist schon normal, einen Klopfer hat er trotzdem
Der 28-Jährige erwarb beispielsweise um 3,6 Millionen Euro eine Villa in Baden bei Wien, erstand sündteure Rolex-Uhren und legte sich binnen elf Monaten zwei Ferraris, einen Rolls Royce, einen Porsche, vier Mercedes, zwei BMW und einen Audi zu, die er wochenweise benutzte, ehe er die Lust an den Fahrzeugen verlor und Nachschub orderte. „Er ist schon normal“, beurteilte Verteidiger Herbert Eichenseder die Psyche seines Mandanten, „aber einen Klopfer hat er trotzdem.“

Doch für sich alleine behielt der IT-Techniker das Geld nicht, er zeigte sich vielmehr sehr großzügig und machte Freunden und Bekannten Geldgeschenke. Als er Wind davon bekam, dass gegen ihn strafrechtlich ermittelt wurde, tauchte er im Jänner 2018 mit seiner Partnerin unter falschem Namen in einem Luxuschalet in den steirischen Alpen unter, wo er sich bis zu seiner Festnahme im März einnistete und sämtliche Nächtigung- und Servicedienstleistungen schuldig blieb.

Geld beinahe zur Gänze „verbrannt“
„Wo ist das ganze Geld?“, fragten das Gericht und der Rechtsvertreter der ausgenommenen Millionäre, Werner Tomanek. „Verbrannt“, lautete die Antwort. Außer der Villa, einer kleinen Liegenschaft in Wien-Liesing, einer Lebensversicherung im Wert von 73.000 Euro, den zwei Ferraris und zwei weiteren Sportwagen, die sich in einer Werkstatt in Dubai befänden, sei nichts mehr vorhanden. Die abschließende Frage, wie er sich seine Zukunft nach Verbüßung seiner Haftstrafe vorstelle, beantwortete der 28-Jährige wie folgt: „Ein normaler Job, ein normaler Verdienst und Ruhe. Das habe ich in den letzten Jahren nicht gehabt.“

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