So, 16. Dezember 2018

Anschlag vereitelt

11.08.2018 15:22

IS-Terroristen-Duo besaß 47 Tarnidentitäten

Am 1. Dezember 2016 wollten zwei Marokkaner in der französischen Hauptstadt Paris ein blutiges Attentat verüben. Der Anschlag wurde dank der grenzenübergreifenden Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten vereitelt. Doch der Fall zeigt auch, wie schwer sich die Behörden tun, der Terroristen habhaft zur werden. Denn die beiden Dschihadisten lebten mit sage und schreibe 47 Tarnidentitäten in ganz Europa. Wie viele derartige „Gefährder“ so unter uns leben, kann wohl niemand genau sagen. 

Hicham El Hanafi, damals 26, ging den Behörden 2016 ins Netz, als er in einem Wald bei Paris zwei Kalaschnikows ausgraben wollte, die von IS-Sympathisanten dort versteckt worden waren. Doch das Waffenversteck war eine Falle, El Hanafi wurde gefasst. Die Festnahme El Hanafis bedeutet das Ende einer Terroristenkarriere, deren Spuren über weite Teile Europas verstreut sind, berichtet nun die „Zeit“. Denn der Marokkaner pflegte Kontakte in ganz Europa.

Als Asylwerber nach Europa eingereist
Wie auch andere Terroristen, reiste El Hanafi 2013 als Asylwerber nach Europa ein, nachdem er in seiner Heimatstadt Fes Abdesselam Tazi traf. Mithilfe eines gefälschten französischen Passes und einer gefälschten rumänischen Bürgerkarte gelang es den beiden, per Flugzeug in Portugals Hauptstadt Lissabon zu landen. Dort gaben sie sich als als politisch Verfolgte aus und behaupteten, sie hätten an den Protesten des Arabischen Frühlings teilgenommen. Und tatsächlich, ihre Asylanträge wurden anerkannt, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung wurde ausgestellt. In Lissabon wurden sie zunächst in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht.

Daraufhin reisten die beiden quer durch Europa, pflegten Kontakte zu Islamisten und El Hanafi wurde zunehmend von Tazi radikalisiert. Später soll der Marokkaner als anerkannter Flüchtling nach Syrien gereist sein, um sich beim IS militärisch ausbilden zu lassen, heißt es in den Polizeiakten. Der Bruder El Hanafis sorgte sich, meldete ihn bei den Behörden. Portugals Anti-Terror-Behörde Unidade de Coordenacao Antiterrorismo begann zwar, gegen das Duo zu ermitteln, nur reichte das Material nicht aus, um die beiden festzunehmen. Denn ein Problem war, dass Tazi und El Hanafi immer wieder das Land verließen.

2016 in Deutschland erstmals verhaftet
2015 versuchten sie, in Deutschland Kämpfer für den IS anzuwerben. Aus den Akten geht hervor, dass El Hanafi und Tazi mindestens 47 Tarnidentitäten anhäuften. Damit besorgten sie sich illegalen Zugang zu Kreditkarten und ergaunerten mehr als 70.000 Euro. Doch aus Mangel an Beweisen konnten die Behörden nicht wegen Terrorismus ermitteln und so wurden beide lediglich wegen Online-Betrugs und Urkundenfälschung im Juni 2016 in Düsseldorf erstmals verhaftet.

Tazi wurde in U-Haft genommen, El Hanafi kam wieder auf freien Fuß. Am 12. Dezember 2016 wurde Tazi vom Amtsgericht Düsseldorf wegen Betrugs zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Wenig später wurde er an Portugal ausgeliefert - die Behörden in Lissabon ermitteln nun wegen Terrorverdachts. Seitdem sitzt Tazi in Portugal in Haft. El Hanafi machte sich offenbar kurz nach seiner Entlassung an die Anschlagsplanung und nahm Kontakt zu IS-Unterstützern in Europa auf. Doch sein blutiger Plan misslingt - letztendlich wegen eines V-Mannes, der bei den Islamisten eingeschleust wurde. Seitdem sitzt er in Paris im Hochsicherheitstrakt und wartet auf seinen Prozess.

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