So, 16. Dezember 2018

Deutliche Meldungen

09.07.2018 06:00

Kirche schaltet sich immer öfter in Politik ein

Die aktuellen Entwicklungen sind für die Kirche immer öfter Anlass, sich politisch deutlich zu Wort zu melden. Am Sonntag las der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl wegen der Migrationspolitik der österreichischen und europäischen Politik die Leviten. Bereits am Freitag hatte Papst Franziskus den heuchlerischen Anti-Migrationskurs kritisiert. Aber auch zu anderen politischen Themen ließ die Kirche zuletzt immer öfter verstärkt von sich hören.

Bei der Messe im Grenzgebiet zwischen Österreich und Slowenien mahnte Bischof Krautwaschl mit deutlichen Worten: „Tote Menschen im Mittelmeer und woanders werden beinahe unwidersprochen hingenommen.“ Es würden, so der Grazer Bischof, von der Politik zwar „große Reden von Hilfe vor Ort geschwungen, aber es dreht sich scheinbar alles nur um Abschottung und dichtmachen“.

Begriff „Asyl“ verkommt zu „Schreckenswort“
Krautwaschl richtete dabei direkt an die österreichische und europäische Politik die Frage: „Wo ist denn das oft herbeigeredete christliche Abendland geblieben?“ Der Bischof sagte auch, dass es ihn mit Sorge erfülle, dass „der Begriff Asyl beinahe zu einem Schreckenswort“ verkomme. Das geltende Gesetz des humanitären Bleiberechts werde „scheinbar nicht mehr gelebt“.

Flüchtlinge klopfen weiter an unsere Tür
Zuvor hatte Papst Franziskus die jüngsten Streitigkeiten über den Umgang mit Flüchtlingen kritisiert. Es sei eine „nutzlose Heuchelei“ jener Menschen, die Migranten nicht helfen. Bei einer Messe im Petersdom sagte der Papst, dass derzeit „Mauern statt Brücken“ gebaut werden. Und dass die Flüchtlinge die Opfer einer Wegwerfkultur seien. Aber die Flüchtlinge würden „weiter an die Türen der Länder mit großem Wohlstand klopfen“.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter hatte Caritas-Präsident Michael Landau am Freitag auf die päpstlichen Worte hingewiesen. „Angesichts der Herausforderungen durch die Migration heute besteht die einzige und vernünftige Antwort in der Solidarität und Barmherzigkeit“, zitierte Landau den Papst.

Auch auf darauffolgende Kritik, dass die Kirche dann auch „die Tore des Vatikan für die vielen obdachlosen Afrikaner dieser Stadt öffnen sollte“, reagierte Landau. Er meinte, dass sich „die Kirche mit ihrer Hilfe vor Ort, aber auch in Rom und an anderen Orten dieser Welt nicht zu verstecken braucht“.

„Populismus und Angstmache“
Scharf ins Gericht ging auch schon Kardinal Christoph Schönborn in seiner „Heute“-Kolumne mit dem öffentlichen Diskurs zu den Fragen der Migration. Der Kardinal kritisierte unter anderem „den Populismus und die Angstmache“ in der Debatte. Er beklagte auch, dass man „sich heute kaum beliebt macht, wenn man ein gutes Wort über die Flüchtlinge sagt“.

Sorge um Österreichs Demokratiepolitik
Die Migration ist allerdings nicht das einzige Thema, zu dem die Kirche zuletzt mit auffälliger Deutlichkeit Stellung bezogen hat. Ungewöhnlich deutlich äußerte sich die Bischofskonferenz erst unlängst zu den von ÖVP und FPÖ veranlassten Gesetzesänderungen bei der Arbeitszeit. Unter anderem hieß es, dass die Vorgangsweise der Regierung auch „demokratiepolitisch bedenklich“ sei.

In höchsten Kirchenkreisen wird durch das als „12-Stunden-Tag“-Regel bekannt gewordene Gesetz zur Flexibilisierung der Arbeitszeit ein Dammbruch bei der Beschränkung der Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen befürchtet. Den Bischöfen geht es dabei nicht nur um religiöse Fragen, sondern um den „unverzichtbaren Wert als Familien- und Beziehungstage“ sowie um „die notwendige Muße und Erholung“ und um den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Claus Pándi, Kronen Zeitung

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