Mo, 20. August 2018

Namensstreit vor Ende

30.05.2018 13:41

Aus Mazedonien wird die „Republik Nord-Mazedonien“

27 Jahre nach dem Zerfall Jugoslawiens scheint der mazedonisch-griechische Namensstreit nun endlich vor einer Lösung zu stehen. Die „Frühere Jugoslawische Teilrepublik Mazedonien“ (FYROM), wie die Republik Mazedonien offiziell noch immer genannt wird, wird bald den Namen „Republik Nord-Mazedonien“ tragen. Bevor es so weit ist, müssen allerdings noch einige politische Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, denn in beiden Staaten werden heftige Protesten erwartet. Derzeit ist noch nichts offiziell vereinbart, wie der mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev am Mittwoch betonte.

Der Namensstreit datiert aus der Zeit nach dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien im Jahr 1991, als Mazedonien als unabhängiger Staat den Namen „Republik Mazedonien“ annahm und diesen auch in der Verfassung verankerte. Griechenland sah darin einen Gebietsanspruch auf seine Provinz Makedonien und fordert seitdem eine Namensänderung. 1993 wurde Mazedonien unter der vorläufigen Bezeichnung FYROM in die UNO aufgenommen. Der junge Staat wurde allerdings von etlichen Staaten auch als Republik Mazedonien anerkannt.

Griechenland verhängte jahrelanges Embargo
Griechenland verhängte daraufhin ein Handelsembargo gegen seinen Nachbarn. Von Mazedonien wurde unter anderem verlangt, seine Flagge mit dem sechzehnzackigen Vergina-Stern, dem Emblem von Alexander dem Großen aus dem Jahr 4 vor Christus, zu verändern und aus der Präambel seiner Verfassung Formulierungen zu entfernen, die Griechenland als Gebietsansprüche auf seine Nordprovinz Makedonien ansah. Im September 1995 wurde in New York ein Abkommen über die Normalisierung der Beziehungen erzielt. Die mazedonische Staatsflagge wurde verändert und der strittige Vergina-Stern durch eine achtzackige Sonne ersetzt. Der Namensstreit blieb allerdings ungelöst.

Seit 2005 EU-Beitrittskandidat
Mazedonien wurde Ende 2005 zum EU-Beitrittskandidaten. Die Aufnahme der Beitrittsgespräche wurde von der Regierung in Athen blockiert, ebenfalls die Aufnahme in die NATO im Jahr 2008. Zunächst müsse der Namensstreit gelöst werden, hieß es in Athen. Griechenland geriet 2011 jedoch durch ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs in die Defensive. Dieses stellte fest, dass Athen durch die Blockade des mazedonischen NATO-Beitritts im April 2008 ein bilaterales Abkommen mit dem Nachbarn verletzt habe.

Offizielle Lösung noch am Mittwoch?
Die Bemühungen um die Lösung des Namensstreits intensivierten sich Mitte des Vorjahres, nachdem Mazedonien nach langer politischer Krise eine neue Regierung, jene des Sozialdemokraten Zaev, bekam. Die Namenslösung - „Republik Nord-Mazedonien“ - dürfte noch am Mittwoch in einem Telefongespräch der Ministerpräsidenten Zaev und Alexis Tsipras bestätigt werden. Die beiden sollen einander dann an der Staatsgrenze treffen, gleichzeitig soll ein aus elf Punkten bestehendes Abkommen zur Namenslösung veröffentlicht werden.

Medien spekulieren, dass das Abkommen die Abhaltung einer Volksabstimmung in Mazedonien im September oder Oktober vorsehen dürfte. Darauf soll eine entsprechende Änderung der mazedonischen Verfassung folgen. Diese muss allerdings mit einer Zweidrittelmehrheit bestätigt werden, die die Regierung Zaevs derzeit nicht hat. Das Abkommen zur Lösung des Namensstreits soll auch vom griechischen Parlament ratifiziert werden.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Asienspiele
Salzburgs Hwang mit Südkorea im Achtelfinale
Fußball International
28 Stück des 007-DB5
Aston Martin legt Bond-Auto neu auf - mit Gadgets!
Video Show Auto
Kostic kommt
Hütter-Klub Frankfurt reagiert auf Pleiten
Fußball International
Europa-League-Play-off
Fan-Randale: Rapid-Gegner Bukarest droht Strafe
Fußball International
krone.at-Sportstudio
Konsel: „Rapid? Es brennt schon langsam der Hut!“
Fußball National
„Unglamourös“
Hana Nitsche zeigt ehrlichen After-Baby-Body
Stars & Society

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.