Mo, 12. November 2018

„Hab Anstand!“

30.05.2018 08:52

Kampf gegen Unfall-Gaffer mit neuem Video

Gaffer am Unfallort, gezückte Handys, die Jagd nach der besten Perspektive und Aufnahme. Wahrung der Persönlichkeitsrechte oder gar Scham? Bei so manchem Schaulustigen, der Zeuge eines Unfalls wird oder an einer Unfallstelle vorbeikommt, ist dies oftmals leider Fehlanzeige. Dieser Problematik begegnen Retter immer häufiger, bei etwa jedem fünften Einsatz sind die Berufshelfer alleine in Wien mit Gaffern konfrontiert. Mit einem neuen Aufklärungsvideo rückt die Berufsrettung gemeinsam mit der Stadt die Gaffer-Problematik nun erneut in den Vordergrund.

„Hab Anstand, halt Abstand!“, lautet der Leitsatz der Kampagne. Das aktuelle Video zeigt dabei das völlig ungenierte Verhalten mehrerer Unfallzeugen auf, die pietätlos die Szenerie sowie in das Innere eines kurz zuvor verunfallten Autos filmen, ohne dabei auf das verletzte Opfer Rücksicht zu nehmen. Nur mühsam können sich die Rettungshelfer ihren Weg durch die Masse an Gaffern bahnen. Es sind wertvolle Sekunden, die dadurch verstreichen, falls das Opfer tatsächlich in Lebensgefahr schwebt.

Dass die Gaffer-Problematik auch in Österreich immer größer wird, zeigte nicht zuletzt ein schwerer Verkehrsunfall im Juli 2017 in Wien-Simmering. Damals war eine schwangere 33-Jährige mit ihrem Sohn auf dem Arm von einer herannahenden Straßenbahn erfasst und zu Boden geschleudert worden. Die junge Mutter starb wenig später im Krankenhaus, auch das Frühchen, das nach dem Tod der Mutter per Notkaiserschnitt auf die Welt gebracht worden war, konnte nicht gerettet werden. Nur der kleine Sohn der Frau überlebte den schrecklichen Unfall.

„Leute wachrütteln“
Um das Thema erneut in den Mittelpunkt zu rücken, wurde nun ein neues Aufklärungsvideo via Social Media veröffentlicht, das „die Leute wachrütteln“ soll, so die Sprecherin der Wiener Berufsrettung, Corina Had. „Handys sind super, wenn es darum geht, den Notruf zu wählen. Aber damit zu filmen und zu fotografieren ist in manchen Situationen nicht angemessen.“

„Niemand will nach einem Unfall Fotos oder Videos von sich in den sozialen Netzwerken finden. Hier geht es auch um die Privatsphäre unserer Patientinnen und Patienten!“, appelliert der Leiter der Berufsrettung, Rainer Gottwald, an die Vernunft der Menschen. „Es ist wichtig, dass die Menschen hinsehen, den Notruf wählen und Erste Hilfe leisten. Sind die Profis der Berufsrettung Wien vor Ort, heißt es aber Platz machen!“, sagt Gottwald.

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