"Wir sind die Champions, wir sind die Weltmeister", schrie Button, nachdem er vom pausierenden Ferrari-Piloten Felipe Massa abgewunken worden war, überglücklich in den Boxenfunk, denn neben dem Fahrer- geht auch der Konstrukteurs-Titel in diesem Jahr bereits fix an das Honda-Nachfolge-Team von Ross Brawn. Den Sieg auf dem 4,309 km langen Kurs in Interlagos sicherte sich der australische Red-Bull-Pilot Mark Webber vor dem Polen Robert Kubica im BMW-Sauber sowie dem entthronten Champion Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes.
Feurige Szenen von Beginn an
Der Engländer profitierte ebenso wie der neben ihm gestartete Vettel vom turbulenten Rennverlauf zu Beginn, der beide schnell in die Punkteränge brachte. Der vorletzte WM-Lauf begann nämlich mit einer wahren Crash-Orgie in Runde eins: Am Start fuhr Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen auf Webber auf und ruinierte sich den Frontflügel.
Im hinteren Teil des Feldes geriet Vettel mit dem finnischen Renault-Fahrer Heikki Kovalainen aneinander, der wenig später dann noch eine weitere Feindberührung mit dem Ferrari von Giancarlo Fisichella hatte. Während diese "Scharmützel" alle glimpflich verliefen, folgten dann im Senna-S die ersten drei Ausfälle. Jarno Trulli übertrieb es und "torpedierte" mit seinem Toyota den Force-India-Mercedes von Adrian Sutil, der dann auch noch den Renault von Fernando Alonso ins Out mitriss.
Räikkönen in Flammen
Auf dem Kurs kehrte zwar nach dem hektischen Beginn nun vorübergehend Ruhe ein, doch in der Box folgte am Ende der ersten Runde die nächste - im wahrsten Sinne des Wortes - heiße Szene. Kovalainen erhielt von seiner Crew zu früh das Freizeichen zum Losfahren und riss einen Teil des Tankschlauchs mit, aus dem Spritreste flossen, die sich in der Boxengasse unter dem Ferrari von Räikkönen entzündeten, aber keinen gröberen Schaden anrichteten.
Strafen für Kovalainen und McLaren
Kovalainen hatte die McLaren-Box verlassen, obwohl noch der Tankschlauch in seinem Boliden gesteckt war. Benzin war daraufhin auf das Auto seines unmittelbar dahinter fahrenden Landsmanns Kimi Räikkönen gespritzt und der Ferrari Räikkönens hatte kurz Feuer gefangen. Der spektakulär ausschauende Zwischenfall endete für alle Beteiligten glimpflich. Der missglückte Boxenstopp hat McLaren eine 50.000-Dollar-Geldstrafe und Heikki Kovalainen eine 25-Sekunden-Zeitstrafe beschert.
Langer Weg zur F1-Krone
Auf dem Weg zur Krone hat der Brawn-Pilot Button in seinen bisher zehn F1-Saisonen und 170 WM-Läufen wahrlich alle Höhen und Tiefen einer Motorsport-Karriere durchlebt. Noch vor acht Monaten hätte Button wohl jeden, der ihm den WM-Triumph prophezeit hätte, für verrückt erklärt. Denn bis März hatte es eher danach ausgesehen, dass Button sein F1-Cockpit verlieren könnte.
Zu unsicher war der Fortbestand und die Konkurrenzfähigkeit seines Teams nach dem Ausstieg des japanischen Auto-Giganten Honda gewesen. Der zu Saisonbeginn aufgrund des Diffusor-Vorteils als neues Wunderauto gepriesene Brawn-Bolide ermöglichte ihm dann plötzlich das Bilderbuch-Comeback.
Sechs Siege in den ersten sieben Saisonrennen legten die Basis für seinen WM-Titel, an dem Taktik-Genie, Teameigner und Teamchef Ross Brawn ebenfalls gewichtigen Anteil hatte. Der Engländer, der den Deutschen Michael Schumacher als Technischer Direktor bei Benetton und Ferrari zum siebenfachen Rekordchampion gemacht hatte, sieht sich nun bestätigt, schließlich hatte er Button schon lange als "perfekten Rennfahrer" gepriesen.
Button stand bei den Briten im Schatten Hamiltons
Andere hatten den schnellen Engländer, der 2000 für BMW-Williams in der Formel 1 debütiert hatte, bereits als ewiges Talent abgeschrieben, so auch die Presse in seiner Heimat. Diese pries in den vergangenen beiden Jahren ausschließlich den nunmehrigen Ex-Weltmeister Lewis Hamilton. Doch durch seine Siegesserie in diesem Jahr sowie den Abstieg von Hamilton aufgrund der Lügen-Affäre mutierte Button wieder zum "Darling" der britischen Medien.
Diese berichten nur allzu gerne über den am 19. Jänner 1980 in Frome geborenen Junggesellen, der sein Playboy-Image pflegt, zu dem auch sein Wohnsitz Monte Carlo passt. Pünktlich vor dem Saisonstart präsentierte er sich mit einer neuen Freundin - dem bekannten japanischen Unterwäsche-Model Jessica Michibata. Davor war der Engländer unter anderem mit der Popsängerin und Schauspielerin Louise Griffiths sowie den Society-Girls Florence Brudenell-Bruce und Beverly Bloom liiert. "Ich genieße einfach das Leben", lautet das Motto des neuen Weltmeisters.
Das Ergebnis des Rennens
1. | Mark Webber | AUS | Red Bull | 1:32:23,0 Stunden |
2. | Robert Kubica | POL | BMW-Sauber | + 7,6 Sekunden |
3. | Lewis Hamilton | GBR | McLaren | 18,9 |
4. | Sebastian Vettel | GER | Red Bull | 19,6 |
5. | Jenson Button | GBR | Brawn GP | 29,0 |
6. | Kimi Räikkönen | FIN | Ferrari | 33,3 |
7. | Sebastien Buemi | SUI | Toro Rosso | 35,9 |
8. | Rubens Barrichello | BRA | Brawn GP | 45,4 |
9. | Kamui Kobayashi | JPN | Toyota | 1:03,3 |
10. | Giancarlo Fisichella | ITA | Ferrari | 1:10,6 |
11. | Vitantonio Liuzzi | ITA | Force India | 1:11,3 |
12. | Heikki Kovalainen | FIN | McLaren | 1:33,5 |
13. | Romain Grosjean | FRA | Renault | eine Runde |
WM-Fahrerwertung:
1. | Jenson Button | GBR | Brawn GP | 89 Punkte |
2. | Sebastian Vettel | GER | Red Bull | 74 |
3. | Rubens Barrichello | BRA | Brawn GP | 72 |
4. | Mark Webber | AUS | Red Bull | 61,5 |
5. | Lewis Hamilton | GBR | McLaren | 49 |
6. | Kimi Räikkönen | FIN | Ferrari | 48 |
7. | Nico Rosberg | GER | Williams | 34,5 |
8. | Jarno Trulli | ITA | Toyota | 30,5 |
9. | Fernando Alonso 26 | |||
10. | Timo Glock | GER | Toyota | 24 |
11. | Felipe Massa | BRA | Ferrari | 22 |
12. | Heikki Kovalainen | FIN | McLaren | 22 |
13. | Robert Kubica | POL | BMW-Sauber | 17 |
14. | Nick Heidfeld | GER | BMW-Sauber | 15 |
15. | Giancarlo Fisichella | ITA | Force India | 8 |
16. | Adrian Sutil | GER | Force India | 5 |
. | Sebastien Buemi | SUI | Toro Rosso | 5 |
18. | Sebastien Bourdais | FRA | Toro Rosso | 2 |









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