ÖSV-Doping-Affäre

Eklat in I: Gandler verlässt aus Protest Gerichtssaal

Österreich
16.10.2009 14:28
Zu einem Eklat ist es am Freitagvormittag beim Doping-Prozess gegen Mitglieder des Österreichischen Skiverbandes in Italien gekommen. In einer Erklärung vor dem Gericht in Susa beschwerte sich ÖSV-Biathlon-Direktor Markus Gandler (rechts im Bild) darüber, dass prozessrelevante Dokumente nicht ins Italienische übersetzt worden seien. Das schränke das Verteidigungsrecht ein. Aus Protest verließ Gandler vorzeitig den Gerichtssaal und reiste ab.

Am Freitag sind vier Zeugen einvernommen worden. Zu ihnen zählte Patrick Schamasch, der Direktor der Medizinischen Kommission des IOC, den auch die Verteidiger der österreichischen Angeklagten bei den nächsten Verhandlungen befragen wollen. Die nächste Gelegenheit dazu haben sie am 14. Dezember.

Vernommen wurden weiters zwei Polizisten, die im Februar 2006 während der Olympischen Winterspiele in Turin in einer bis dahin für dieses Großereignis beispiellosen Aktion die Quartiere der ÖSV-Langläufer und -Biathleten in Pragelato und San Sicario durchsucht hatten, sowie eine österreichische Köchin, die im Dienst der ÖSV-Athleten stand.

Prozess geht am 14. Dezember weiter
Die Vernehmungen dauerten mehrere Stunden. Danach beschloss Richterin Alessandra Danieli die Fortsetzung des Prozesses am 14. Dezember. Dann sollen weitere Zeugen der Staatsanwaltschaft befragt werden  "Es wird noch mehrere Verhandlungen bis zum Urteil geben. Mit einem raschen Ende dieses Prozesses ist nicht zu rechnen", betonte der Südtiroler Rechtsanwalt Wolfgang Burchia, der in der Causa ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel verteidigt.

Der Anwalt kritisierte, dass Richterin Danieli die Anträge der Verteidigung abgelehnt habe, prozessrelevante Dokumente ins Italienische übersetzen zu lassen. Der ÖSV sieht sich dadurch ungerecht behandelt. 1.914 der insgesamt über 3.600 Seiten verschiedener Rechtshilfeverfahren aus dem Deutschen, Französischen und Englischen wurden von der Turiner Staatsanwaltschaft nicht ins Italienische übersetzt. "Damit sind die Bedingungen für einen ausgewogenen Prozess nicht vorhanden. Es ist traurig, was sich hier heute abgespielt hat", betonte Burchia.

"Prozess droht eine Farce zu werden"
Die Bedingungen für einen ausgewogenen Prozess seien nicht vorhanden, deshalb werde er mit dem Justizministerium in Wien und der österreichischen Botschaft in Rom Kontakt aufnehmen, sagte auch Gandler, der als einziger der zehn österreichischen Angeklagten nach Susa gereist war.

"Es ist offenkundig, dass es hier in Susa nicht fair zugeht. Wichtige IOC-Dokumente in französischer Sprache sind nicht übersetzt worden, wir können uns so nicht verteidigen. Es besteht extremes Ungleichgewicht zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung, der ganze Prozess droht eine Farce zu werden", ärgert sich Gandler. Nach seiner Erklärung reiste Gandler vor Ende der Gerichtsverhandlung wieder nach Österreich zurück.

Gandler "von Justiz schwer enttäuscht"
"Ich werde nicht mehr ohne einen Vertreter der österreichischen Botschaft in Italien an diesem Prozess teilnehmen. Ich will Kontakt mit dem österreichischen Botschafter in Rom aufnehmen, weil für mich das Gleichheitsprinzip vor der italienischen Justiz nicht gilt. Ich bin noch nie von der Justiz so schwer enttäuscht worden. Sie wollen uns alle zusammen verurteilen, vielleicht noch vor den Winterspielen in Vancouver im Februar", so Gandler.

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