Über dem beschaulichen Örtchen Haus (2.430 Einwohner, Bezirk Liezen) brauen sich dunkle Wolken zusammen. Die Ingredienzen des drohenden Riesenwirbels im Ennstal: eine Umwidmung von Grundstücken, eine unfassbare Wertsteigerung derselben, ein schwarzer Bürgermeister und die Ski-WM 2013.
Freiland-Grundstücke umgewidmet
Aber der Reihe nach: Die Gemeinde Haus beabsichtigte vor einiger Zeit mit einer Änderung ihres "Örtlichen Entwicklungskonzeptes" eine Reihe Freiland-Grundstücke in Bauland umzuwidmen. Ein Ansinnen, das der Gemeinderat nachvollziehen konnte - ergo absegnete. Bei der Überprüfung dieser Änderungen durch das Land stellte sich dann allerdings heraus, dass sämtliche Grundstücke im Gebiet "Schladming Ost" liegen - also in jenem Kreuzungsbereich, der für Umbaumaßnahmen für die Ski-WM 2013 "reserviert" ist.
Immense Wertsteigerung
Im Klartext heißt das: Um eine anständige Verkehrslösung zu realisieren, müssen die Flächen wohl abgelöst werden. Und zwar zu einem horrenden Preis - immerhin erfahren sie durch die geplante Umwidmung eine immense Wertsteigerung! Immobilienexperten gehen davon aus, dass in der Region der Preis für Freiland bei in etwa fünf Euro pro Quadratmeter liegt, Bauland dagegen kostet zwischen 90 und 170 Euro - je nach Lage. Im konkreten Fall wäre das eine beträchtliche Steigerung!
Vorwürfe wegen "Insidergeschäft"
Besondere Brisanz kommt dabei einer Bauausweisung zu: Unter "Verfahrensfall 4.05a" - der Umwidmung von Freiland in ein Wohngebiet - findet sich als Eigentümer Jürgen Winter. Seines Zeichens immerhin ÖVP-Bürgermeister der Nachbargemeinde Schladming. Der Ortschef kaufte das Grundstück im Dezember des vergangenen Jahres, 2009 wurde es ins Grundbuch übernommen. Zu diesem Zeitpunkt war aber bereits bekannt, dass es im Bereich einer möglichen Straßenvariante liegt. Insider werfen dem Ortschef jetzt vor, er versuche Insiderwissen in bare Münze umzuwandeln, habe nur gekauft, um hohe Ablösesummen zu kassieren.
Stadtchef wehrt sich
"Ein völliger Unsinn", verweist Winter im "Steirerkrone-Gespräch" diese Vorwürfe ins Reich der Fantasie. Er denke grundsätzlich nicht an einen Verkauf des Grundstücks, außer, eine Verkehrslösung mache dies unbedingt notwendig. Und: In Frage kämen ohnehin lediglich ein paar hundert Quadratmeter, für die er den ortsüblichen Preis haben wolle. "Eine goldene Nase will ich mir sicher nicht verdienen," ortet der WM-Bürgermeister vielmehr eine "Anpatzerei".
Wie auch immer: Was bleibt, ist ein höchst schaler Geschmack, einer von Insidergeschäft und Freunderlwirtschaft, einer, dass es sich einer da oben wieder einmal richtet.
von Gerald Schwaiger, Kronen Zeitung










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