Sa, 15. Dezember 2018

Im Juni live in Wien

01.03.2018 07:00

Jovanotti: Ein Musiker, so bunt wie das Leben

Mit 51 Jahren befindet sich Lorenzo "Jovanotti" Cherubini an der Spitze seiner Karriere. Der sozial- und politkritische Kosmopolit feiert mit seinem aktuellen Album "Oh, Vita!" das Leben und begeistert damit Menschen weit über die italienischen Landesgrenzen hinaus. Im Interview nach einer schweißtreibenden Show in Mailand sprach er mit uns über die Wichtigkeit des Miteinanders, seine globalen Erlebnisse und weshalb es essenziell ist, nie den Optimismus zu verlieren.

Italien liebt seine Helden und weiß sie auch gebührend zu feiern. Es ist allgemein bekannt, dass Fußballer wie Francesco Totti, Paolo Maldini oder Alessandro Del Piero einen gottähnlichen Status besitzen. Den künstlerischen Tausendsassa Adriano Celentano huldigte man unlängst kollektiv zum 80. Geburtstag, Schmusebarde Eros Ramazzotti und Rockröhre Gianna Nannini füllen die Hallen auch, wenn sie mediokre Alben veröffentlichen. Temperament, Mentalität und Ehrerbietung gehen bei unseren südlichen Landesnachbarn eine einzigartige Symbiose ein, die sich eher unterkühlte Mitteleuropäer nicht wirklich vorstellen können. Kurz gesagt – hast du in Italien einmal Erfolg, wirst du nicht mehr fallengelassen.

Klare Artikulation
Lorenzo „Jovanotti“ Cherubini ist in diesem Kontext die personifizierte Erfolgsgarantie. In seiner Heimat ist er seit 23 Jahren und umgerechnet neun Studioalben auf den ersten Platz abonniert, das Mediolanum Forum etwas außerhalb des Mailänder Stadtkerns hat er unlängst zwölfmal ausverkauft – und das bei einem Fassungsvermögen von rund 12.500 Menschen pro Konzert. Von solchen Zahlen können selbst die deutschsprachigen Nationalheiligen Helene Fischer und Andreas Gabalier nur neidvoll träumen. Und im Gegensatz zu den beiden Genannten positioniert sich Jovanotti seit jeher deutlich für Zwischenmenschlichkeit und die Buntheit des Lebens. Er hat also auch deshalb diesen immensen Erfolg, weil er sich klar artikuliert und offensiv gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft stellt, wie er uns auch im Interview verriet.

„In Italien ist gerade wieder Wahlkampf und jeder, der etwas zu sagen hat, bläst das auf wie eine Bombe. Dass so etwas wie Rassismus wieder auf die politische Bühne zurückkehrt, ist seltsam und gefährlich. Ich will in einer Welt leben, in der Unterschiede eine Bereicherung und kein Problem sind. Das ist der Grund, warum ich Musik mache. Ich wuchs in einer offenen Welt auf und mir ist es wichtig, dafür einzustehen.“ Jovanotti sieht sich selbst als künstlerischen Kosmopoliten. Als er vor 30 Jahren mit seinem Debütalbum „Jovanotti For President“ und dem Hit „Gimme Five“ seinen Durchbruch schaffte und das erste Mal Geld verdiente, ging er als Rucksacktourist in seine Traumstadt New York und verliebte sich sofort in die rege Betriebsamkeit des „Big Apple“.

Weltenbürger
Einige Jahre später entscheid er sich, mit Frau und Tochter dauerhaft dorthin zu ziehen. „Ich hatte die Chance, dort zu arbeiten und ein paar Konzerte zu geben. Meine Frau, meine Tochter und ich beschlossen dann irgendwann, dass wir dortbleiben könnten, anstatt einen Ferrari zu kaufen“, lacht der 51-Jährige, „für mich gab es nie einen Grund, auf nur einem Platz zu verweilen, weil es auf dieser Welt viel zu viel zu sehen gibt. Ich bin sogar weniger gereist, als ich eigentlich vorhatte. Wenn es nach mir geht, dann würde ich am liebsten jedes Jahr woanders leben.“ Als Heimatanker und Verwurzelung sieht der aus einer Working-Class-Familie stammende Künstler die Sprache. „Selbst in Tokio fühle ich mich sofort zuhause, wenn mich auf der Straße jemand auf Italienisch anspricht.“ Mittlerweile lebt Jovanotti längst wieder in Italien – die Tochter blieb zum Studieren in New York.

Die Vielseitigkeit des Daseins und das Leben selbst feiert Jovanotti auch auf seinem starken neuen Studioalbum „Oh, Vita!“, das der derzeitigen Tour zugrunde liegt, die ihn am 19. Juni auch in die Wiener Stadthalle führen wird. Wie bei seinen exaltierten Konzerten spannt er dabei einen Bogen von Hip Hop über Pop, Rock, Balladen und Jazz-Einsprengsel. Bei Jovanotti ist auf der Bühne und im Studio alles so bunt wie das Leben selbst – so konnte er sogar den US-Starproduzenten Rick Rubin für die Verwirklichung seines neuesten Werkes gewinnen. Als erster italienischsprachiger Künstler überhaupt.

Prunk mit Botschaft
Bei seinem Auftritt in Mailand zelebriert der Künstler mit beneidenswerter Kondition und juveniler Ausstrahlung zweieinhalb Stunden lang die Vielfalt und das Miteinander. Inbrünstig singen die ihm ergebenen Fans textsicher jede Zeile mit – aufblasbare Windfiguren, DJ-Set, opulente Videoeinspielungen und Konfettiregen inklusive. Eine Stadionproduktion in einer Sportmultifunktionsarena. Kann man schon einmal machen, wenn einem die heimatliche Welt zu Füßen liegt. Doch zwischen all dem Pomp und Glitzer steckt stets eine wichtige Botschaft – nichts wird in einem Jovanotti-Konzert nur um der Effekte willen gehandhabt.

„Du musst dich im Leben einfach entscheiden. Reitest du auf der dunklen Seite durch die Welt oder zeigst du lieber die helle? Die Menschen wollen ein schönes Leben führen. Sie haben Wünsche und Ziele, wollen Kinder in die Welt setzen und Spaß haben. Was sollte ich also sonst tun, als das Leben mit ihnen zu feiern? Ich musste mir selbst jeden Schritt in meinem Leben hart erarbeiten und respektiere daher auch alle Menschen, die mit mir arbeiten. Ich bin wohl dazu geboren, um diesen Job zu machen, also mache ich ihn auch. Viele Leute glauben, mein Leben wäre einfach, aber das stimmt nicht so ganz.“ Jovanotti hat sich seinen Status durch Authentizität und Ehrlichkeit erarbeitet – wofür er sich zurecht feiern lassen darf.

Live in Wien
Lorenzo „Jovanotti“ Cherubini kommt am 19. Juni endlich wieder nach Österreich und wird seine größten Hits und die famosen neuen Songs von „Oh, Vita!“ live in der Wiener Stadthalle präsentieren. Alle weitere Infos und Karten erhalten Sie unter www.ticketkrone.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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