22.02.2018 16:54 |

Johanna von Orleans

Schwarze als Nationalheldin spaltet Frankreich

Sie ist die Nationalheldin Frankreichs: Jetzt sorgt eine Johanna von Orleans mit afrikanischen Wurzeln für lautstarke Proteste im Internet. Die 17-jährige Französin Mathilde Edey Gamassou, deren Vater aus dem Benin und deren Mutter aus Polen stammt, soll in diesem Jahr die Nationalheldin bei den Feiern zu ihrem historischen Sieg im Jahr 1429 verkörpern. Die Verantwortlichen wollten die Geschichte neu schreiben, werfen Kritiker, vor allem unter den Rechtspopulisten, ein. Die heldenhafte Jungfrau wurde in der Vergangenheit immer wieder für politische Zwecke sowohl des linken als auch des rechten Lagers vereinnahmt.

Die 17-jährige Mathilde war aus 250 Kandidatinnen ausgewählt worden, um ab Ende April bei den jährlich stattfindenden Gedenkfeiern in Orleans südlich von Paris die Jungfrau darzustellen.

Flut an Hasspostings im Netz
Die Entscheidung sorgte auf rechtspopulistischen Webseiten für Empörung. Wobei der Vorwurf, man wolle mit der Besetzung der jungen Frau mit afrikanischen Wurzeln die Geschichte neu schreiben, unter der Vielzahl an Hasspostings in sozialen Netzwerken noch harmlos anmutet.

Auf einem antimuslimischen Portal hieß es: "Nächstes Jahr trägt Johanna von Orleans eine Burka." Auf einer anderen Seite war von einer "Propaganda für Mestizen" die Rede.

Die Vorsitzende des Auswahlkomitees, Benedicte Baranger, erklärte, sie sei "traurig", dass diese Wahl nun für bestimmte Zwecke vereinnahmt werde. Baranger sagte weiter, Mathilde Edey Gamassou entspreche genau den Kriterien für die Darstellerin der Johanna: Sie lebe seit zehn Jahren in Orleans, gehe dort auf ein Gymnasium, sei katholisch und widme ihre Zeit ihren Mitmenschen. Zudem sei sie eine "interessante Persönlichkeit".

Die Geschichte kennt in Frankreich jedes Kind
In Orleans wird vom 28. April bis 8. Mai an den legendenumwobenen Sieg der Jungfrau gegen die Engländer erinnert. Die Geschichte der Johanna von Orleans kennt in Frankreich jedes Kind: Wie die Bauerntochter, auf Bildern meist mit Topffrisur und jungenhaften Gesichtszügen dargestellt, Stimmen hörte, die sie zum Kampf gegen die Engländer riefen.

Wie sie den französischen Thronfolger Karl VII. von ihrer Mission überzeugte und an der Spitze französischer Truppen das belagerte Orleans befreite - und wie sie schließlich in die Hände gegnerischer Truppen geriet, an die Engländer verkauft und am 30. Mai 1431 mit nur 19 Jahren in Rouen verbrannt wurde.

Allerdings war Jeanne d'Arc lange Zeit in Vergessenheit geraten. Erst im 19. Jahrhundert entdeckte Frankreich die unerschrockene Heldin wieder - und schnell wurde sie politisch vereinnahmt.

Das rechte Lager verehrte sie als glühende Katholikin und Monarchistin. Das linke Lager als einfache Tochter des Volkes, vom König verraten und von der Kirche verbrannt.

In den 1930er-Jahren machten Frankreichs Rechtsextreme Johanna von Orleans zu ihrer Identifikationsfigur. Beim Front National (FN) wird die Heilige bis heute verehrt. Die Partei sieht sie wegen des Kampfes gegen die englischen Besatzer als eine Vorkämpferin gegen Einwanderung. Eine politische Organisation von FN-Chefin Marine Le Pen namens Jeanne ist sogar nach der Nationalheldin benannt.

 krone.at
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