"Ein Sündenfall"

Heftige Kritik an ÖBB-Kraftwerk am Lech

Österreich
01.10.2009 09:27
Einen Sündenfall für die Naturschutzpolitik sieht der WWF in der positiven Entscheidung des Landes Tirol für den Ausbau des umstrittenen ÖBB-Wasserkraftwerkes Spullersee am Oberen Lech im Außerfern. Heftige Kritik kam auch von den Grünen, die den ÖBB "Gewinnmaximierung" als Stromproduzent vorwerfen. LHStv. Hannes Gschwentner (SPÖ) hat am Mittwoch im Landtag das Projekt verteidigt.

Er habe keine grundsätzliche Haltung, wenn es für oder gegen Kraftwerke gehe, sagte der für Naturschutz zuständige Gschwentner. Das öffentliche Interesse sei abzuwägen. Die Entscheidung für das Kraftwerk Spullersee in Vorarlberg verbunden mit der Wasserentnahme aus Tiroler Bächen sei auch ein Beitrag für den Klimasschutz. Die ÖBB könnten ihren Strombedarf nicht zur Gänze selbst abdecken. Ein Eingriff in die Natur sei vertretbar, wenn "sauberer" Strom aus Wasserkraft Strom aus atomarer Erzeugung oder fossilen Brennstoffen ersetze.

Grüne: Dient nur der "Gewinnmaximierung"
Für die Grüne Abgeordnete Maria Scheiber stehe die Natur auch in Tirol unter immer größerem Druck. Die ÖBB würden den dort erzeugten Strom nicht für den Bahnverkehr nutzen, sondern als Stromanbieter auftreten. Die erzeugte Elektrizität diene der "Gewinnmaximierung". Auch Bernhard Ernst vom Bürgerforum warnte vor dem Argument des Klimaschutzes. Mit diesem Argument werde in anderen Ländern auch das Betreiben von Atomkraftwerken verteidigt.

"Unvorstellbarer Kniefall vor der Kraftwerkslobby"
"Dieser Tabubruch, den Lech und seine Zuflüsse für den Kraftwerksausbau freizugeben, stellt für uns einen bislang unvorstellbaren Kniefall vor der Kraftwerkslobby dar", betonte der WWF am Mittwoch.

Durch die Nutzung der Zuflüsse des Lech und die Umleitung ihrer Wasser in den Kraftwerksstausee komme es zu einer "inakzeptablen" Beeinträchtigung des unter Natura-2000-Schutz stehenden Wildflussgebietes Lech. Eine derartige "Zerstörung" des "letzten Wildflusses der Nordalpen" mit Klimaschutz zu rechtfertigen sei eine naturschutzpolitische Entgleisung, meinte Nicole Schreyer vom WWF-Alpenprogramm.

"Negative Auswirkungen" auf Natura 2000-Gebiete
Zudem kündigte der WWF an, die EU-Kommission und alle nationalen und internationalen Naturschutzverbände über die Vorgänge am Lech zu informieren. In einem verordneten Schutzgebiet, indem das Schutzgut das Flussökosystem selbst sei, dürfe der Wasserhaushalt nicht durch Kraftwerke verändert werden, hieß es. Der von der ÖBB geplante Ausbau des Kraftwerkes würde sich negativ auf die beiden Natura-2000-Gebiete Tiroler Lech und die "europaweit bedeutenden Bergwälder" des Vorarlberger Klostertales auswirken.

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