Do, 19. Juli 2018

Annemarie Moser-Pröll:

18.01.2018 08:20

„Beschämend, einen Toten so anzuschwärzen!“

Ausgerechnet in der Hahnenkamm-Woche ist auch Kitzbühel-Legende Toni Sailer ins "Missbrauchs-Visier" geraten. Wegen eines Falles in Polen aus dem Jahr 1974. Der Vorwurf: Notzucht einer Prostituierten. Der 2009 verstorbene dreifache Olympiasieger bestritt den damals sofort bekannt gewordenen Vorfall stets, sprach von einer ihm gestellten Falle. Zu einer Anklage kam es nie. 44 Jahre danach rollen Medien die Uralt-Angelegenheit wieder auf. Die "Krone" hörte sich in der Heimatstadt der Legende sowie bei anderen Ski-Größen um und stieß dabei auf Unverständnis bis hin zu höchst verachtender Empörung.

Annemarie Moser-Pröll, Olympiasiegerin und österreichische Jahrhundert-Sportlerin sagt zur aktuellen Causa: "Ich kann mich an damals erinnern. Wir hatten Weltcupfinale in der Hohen Tatra, die Herren kamen dort aus Zakopane hin. Was in Polen passiert ist, weiß ich nicht. Aber ich finde es beschämend, einen Toten nach so langer Zeit so anzuschwärzen. Ehrlich gesagt, fehlen mir die Worte."

Auch Karl Schranz, dreifacher Weltmeister, zweifacher Sieger im Gesamtweltcup und langjähriger Weggefährte von Sailer ist sprachlos: "Tote, heißt es bei uns, soll man ruhen lassen. Und das Begräbnis von Toni ist jetzt schon neun Jahre her! Mir fehlen bei dieser Geschichte wirklich die Worte. Das alles ist für mich ein Wahnsinn, weil sich der Beschuldigte ja gar nicht mehr wehren kann." 

Franz Klammer, Olympiasieger und 1974 im österreichischen Skiteam: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Toni sowas überhaupt gemacht hat. Diese Geschichte ist schon sehr weit hergeholt. Außerdem weiß man ja nicht einmal genau, was vorgefallen ist. Zudem ist es sehr pietätlos über einen Toten solche abscheulichen Sachen zu verbreiten. Ich bin ziemlich schockiert."

Michaela Dorfmeister, Doppel-Olympiasiegerin, Siegerin im Gesamtweltcup: "Wenn jemand schon tot ist, hat das einen seltsamen Beigeschmack. So ein Idol derart zu beschmutzen, halte ich für nicht angebracht. Mir wäre es wichtiger, die Dinge aufzudecken, die jetzt passieren. Und die Energie in die Aufklärung junger Menschen zu stecken, dass man Grenzen zu respektieren hat."

Stephan Eberharter, Riesentorlauf-Olympiasieger und zweifacher Triumphator der Hahnenkamm-Abfahrt: "Ich weiß natürlich nicht, was damals in den 70er-Jahren passiert ist. Aber dieser ganze Generalverdacht, den diese Debatte nach sich zieht, widerstrebt mir zutiefst. "Muss das sein?", frage ich mich oft. Und gebe mir dabei die Antwort gleich selbst: "Nein, es muss definitiv nicht sein."

Alexandra Meissnitzer, Gesamtweltcup-Siegerin und zweifache Weltmeisterin, aktuell TV-Expertin beim ORF: "Die Situation nach so langer Zeit richtig einzuschätzen, scheint mir unglaublich schwierig. Besonders, weil man denjenigen, den es betrifft, ja nicht mehr befragen kann. Die Frage stellt sich: Warum kommt man mit diesen Vorwürfen genau jetzt zu diesem Zeitpunkt?"

Hansi Hinterseer, ebenfalls Kitzbüheler, Schlagerstar und 1974 Dritter im Slalom im polnischen Zakopane, wo es zu dem jetzt wieder aufgerollten Vorfall rund um den damaligen Alpinchef Toni Sailer gekommen sein soll: "Ich bin schon grundsätzlich der Meinung, dass man die Toten ruhen lassen soll. Diesen Respekt hätte sich der Toni eigentlich mehr als nur verdient."

Kronen Zeitung

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