Di, 19. Juni 2018

Darts-Legende tritt ab

02.01.2018 10:00

Phil Taylor: „Ich will dieses Leben nicht mehr“

Philip Douglas Taylor beendet nach 30 Jahren seine Darts-Karriere. Der 57-jährige Engländer aus Stoke-on-Trent gewann mehr als 200 Turniere, warf insgesamt 22 9-Darter und dominierte drei Jahrzehnte lang den Dartssport. Auf der Website des Verbands wird er als „der größte, der jemals einen Dart geworfen hat“ beschrieben. Mit der Niederlage im WM-Finale gegen Rob Cross ging seine Ära nun zu Ende (siehe Video oben). Hier ein Rückblick auf seine sensationelle Karriere!

Taylor ist Multi-Millionär, aber jetzt hat er genug. "Es ist mittlerweile einfach zu viel Aufwand, mich auf die vielen Turniere vorzubereiten. Heutzutage muss man sieben Tage die Woche arbeiten, ich bin immer weg von zu Hause in irgendwelchen Hotels. Nein, für mich ist jetzt Schluss. Ich möchte dieses Leben nicht mehr", sagte der Engländer.

Zeit für seine vier Töchter, für seine Enkelkinder, das ist es, worauf sich Taylor freut. Denn sein Privatleben musste leiden unter einer Bilderbuch-Karriere, die nicht nur zu unzähligen Titeln führte, sondern auch einen Sport revolutionierte, der zu Taylors Anfängen ein Wirtshaus-Wettkampf war.

Taylor war einer der ersten, der professionell an den Dartssport heranging und ihn als seine Arbeit ansah. Niemand verschrieb sich dem Sport so sehr wie der kleine, ehrgeizige Engländer aus Stoke-on-Trent. Ein Grund für diesen Ehrgeiz ist seine Vergangenheit als Fabrikarbeiter. Er kommt aus einfachen Verhältnissen und stand zehn Jahre lang für wenig Geld am Fließband.

Acht Stunden Training täglich
Im Pub des damaligen Dartsstars Eric Bristow begann seine Karriere. Bristow erkannte Taylors Talent und förderte ihn. Er gab ihm einen Kredit über 10.000 Pfund, damit er die Fabrik verlassen und sich auf den Sport konzentrieren konnte. „The Power“ sah Darts fortan als seinen neuen Job an und widmete diesem auch dementsprechend viel Zeit. Bis zu acht Stunden täglich stand er vor dem Board und perfektionierte sein Spiel. Denn eines war klar: Nie wieder wollte er am Fließband arbeiten!

Es dauerte nicht lange, bis Taylor in der Weltspitze ankam. Am 13. Jänner 1990 stand er bei seiner ersten Weltmeisterschaft im Finale. Sein Gegner war ausgerechnet Eric Bristow. Taylor gewann klar mit 6:1 und beendete die Ära seines Mentors. Seine eigene hatte damit gerade erst begonnen.

Gründung des Profiverbands
Drei Jahre später – Taylor war mittlerweile Doppelweltmeister – Gründeten 16 Spieler wegen den ihrer Meinung nach zu unprofessionellen Verhältnissen bei der British Darts Organisation das World Darts Council, das 1997 in Professional Darts Corporation (PDC) umbenannt wurde. Unter den Gründern des neuen Verbands finden sich klingende Namen wie Dennies Priestley, Rod Harington und Eric Bristow. Phil Taylor ist ebenfalls Gründungsmitglied der PDC, ihm gehören bis heute 6 Prozent der Professional Darts Corporation Ltd.

1994 veranstaltete der neue Verband seine erste Weltmeisterschaft und Taylor stand wieder im Finale, verlor jedoch mit 1:6 gegen Dennis Priestley. Für ihn war das seine wichtigste Niederlage, weil sie ihn auf den Boden der Realität zurückholte, wie er später erklärte.

Der Unbesiegbare
Ein Jahr danach begann Taylors unglaubliche Dominanz: Von 1995 bis 2002 wurde „The Power“ acht Mal in Folge Weltmeister. Für die letzten beiden Finalgegner John Part beziehungsweise Peter Manley setzte es gar einen sogenannten Whitewash, also eine Niederlage ohne Satzgewinn. Taylor gewann in dieser Zeit über 40 WM-Spiele in Folge. Part revanchierte sich im Finale 2003 mit einem 7:6 Sieg und beendete den Lauf des Rekordweltmeisters. Die nächsten drei WM-Titel gingen allerdings wieder an den kleinen Mann aus Stoke-on-Trent.

WM-Finale 2007 – Das beste Spiel aller Zeiten?
Das WM-Finale 2007 ist für viele bis heute das beste Spiel aller Zeiten. Der dreizehnmalige Weltmeister Phil Taylor traf auf den viermaligen BDO-Weltmeister Raymond van Barneveld aus den Niederlanden. Seit „Barney“ zu Beginn des Jahres 2006 von der BDO zum Profiverband gewechselt war, wurde das Duell mit Spannung erwartet. Taylor und van Barneveld galten damals als die beiden besten Dartsspieler der Welt.

Im Video: Die Entscheidung im WM-Finale 2007

„The Power“ dominierte auch dieses Spiel zu Beginn und führte schnell mit 3:0 in Sätzen. Viele waren schon sicher, dass das der 14. Titel für den Engländer werden würde, doch „Barney“ kam noch einmal zurück. Er startete eine Aufholjagd und schaffte den 3:3-Ausgleich. Das Spiel entwickelte sich zu einem spannenden Schlagabtausch und ging bis in den Entscheidungssatz. Auch dieser war ausgeglichen. Nach zehn Legs brauchte es das „Sudden Death“, also ein letztes, entscheidendes Leg, um den neuen Weltmeister küren zu können. Raymond van Barneveld setzte sich durch und krönte sich gleich in seinem ersten Jahr bei der PDC zum Weltmeister.

Drei weitere WM-Titel
Es war der bisher letzte WM-Titel des Niederländers. Zwei Jahre später revanchierte sich Taylor mit einem 7:1 Sieg im WM-Finale 2009. Nach der Titelverteidigung 2010 gegen den Australier Simon Whitlock konnte er sich 2013 gegen Michael van Gerwen noch ein weiteres, 16. Mal den Weltmeistertitel sichern. Van Gerwen ist seit einigen Jahren der große Dominator in der Welt der fliegenden Pfeile. Bei einer Weltmeisterschaft konnte er sich aber nie gegen Phil Taylor durchsetzen.

Rekorde, Rekorde, Rekorde!
Die 16 Titel, die Taylor bei Weltmeisterschaften holte, sind natürlich Weltrekord, doch das ist bei weitem nicht die einzige Bestmarke des 57-Jährigen. Auch 29 WM-Teilnahmen und dabei 21 Finals sind absolute Spitze. Sein Lieblingsturnier war aber immer das World Matchplay, welches in den Wintergardens von Blackpool ausgetragen wird. Es ist nach der WM das älteste und wichtigste Turnier im Kalender der PDC. Auch dieses Turnier konnte „The Power“ insgesamt 16 Mal für sich entscheiden. Im Gegensatz zur WM gelang ihm hier der perfekte Abschied mit einem Sieg über den Schotten Peter Wright.

Im Video: Taylors letzter Walk-On beim World Matchplay in Blackpool:

Auf dem Weg zu diesem 16. Titel besiegte er Raymond van Barneveld, Michael van Gerwen, Adrian Lewis und im Finale schließlich Peter Wright. Ab der kommenden Ausgabe heißt der Pokal für den Sieger „Phil Taylor Trophy“.

Ein weiterer wichtiger Bewerb ist die Premier League Darts. Hierbei handelt es sich nicht um ein einzelnes Turnier sondern um einen Ligamodus. Die Top 4 der Weltrangliste (Order of Merit) sind automatisch dafür qualifiziert. Sechs weitere Teilnehmer werden vom Verband bestimmt. Die Premier League wird seit 2005 gespielt. In den ersten vier Jahren hieß der Sieger immer Phil Taylor. Er blieb in dieser Zeit in 44 Spielen hintereinander ungeschlagen. Insgesamt gewann Taylor den Bewerb sechs Mal.

Zwei 9-Darter in einem Spiel
Für immer unvergessen bleiben wird das Premiere League Finale 2010 gegen James Wade. Taylor schaffte in diesem Match das Kunststück zwei Mal das perfekte Spiel, einen 9-Darter, zu spielen. Dabei werden die 501 Punkte mit der Mindestanzahl von neun Darts auf Null gebracht. Um das zu schaffen, muss jeder Dart in einem Triple- oder Doppelfeld stecken. Taylor ist der einzige, der das zweimal in einem Match vor TV-Kameras schaffte. Im Leg nach dem zweiten 9-Darter war er sogar auf dem Weg zum dritten perfekten Spiel, scheiterte aber mit dem achten Dart an der Triple 17.

Im Video: Taylor spielt zwei 9-Darter in einem Match

Insgesamt gewann Taylor unglaubliche 216 Turniere und warf dabei 22 9-Darter. Einzig bei der Weltmeisterschaft wollte ihm das perfekte Spiel nicht gelingen. In seinem allerletzten Spiel verpasste er es noch einmal denkbar knapp mit dem Wurf auf Doppel-12. Mit Ausnahme von Rob Cross, gegen den Taylor nur beim verlorenen WM-Finale spielte, hat kein einziger Spieler ein positives Head-to-Head gegen die Legende! Rob Cross ist somit auch der einzige Akteur, gegen den Taylor nie gewinnen konnte.

An jedem zweiten Tag eine Exhibition
Am 6. Jänner ist „The Power“ noch einmal bei der Promi Darts WM im TV zu sehen, bevor er endgültig von der TV-Bühne verschwindet. Seinem Sport bleibt er aber weiterhin treu: Allein 2018 wird Taylor 180 Exhibitions spielen. Das heißt er wird fast jeden zweiten Tag vor Publikum auftreten. Außerdem ist es nicht unwahrscheinlich, dass er früher oder später als TV-Experte zu sehen sein wird.

Im Video: Phil Taylors letzter Walk-On als Darts-Profi

Sportlich wird die PDC den Rücktritt ihres Aushängeschildes zweifellos verkraften können. Taylor spielte schon 2017 nur noch die großen Turniere, um sich etwas zu schonen und gerade auch die aktuelle WM hat gezeigt, dass das sportliche Niveau immer weiter steigt und die Basis an Topspielern immer breiter wird. Aber dennoch, ohne Phil „The Power“ Taylor wird dem Dartssport etwas fehlen.

Thomas Zeitelberger
Thomas Zeitelberger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.