22.12.2017 20:10 |

Späte Enthüllung

Stasi-Akte: Die schockierende Sammer-Beichte

Diese Geschichte von Matthias Sammer lässt niemanden kalt in Deutschland! Die deutsche "Sport-Bild" konfrontierte ihn mit seiner 125-Seiten starken Stasi-Akte, in die der Ex-Kicker bisher noch nie Einsicht genommen hatte. Sammer, der sich "nie dafür interessiert" haben will, arbeitet heute als TV-Experte. Vor einem Jahr war er noch als Sportdirektor bei den Bayern tätig gewesen, als Trainer führte er zudem Borussia Dortmund zum Titel.

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Sammer ist jedem ein Begriff, der Fußball mag. Der Ostdeutsche wurde im Jahr 1996 Champions-League-Sieger mit Borussia Dortmund, im selben Jahr wurde er außerdem noch Europameister und Fußballer des Jahres - jeder kannte den Mann mit den roten Haaren und dem eisernen Blick. Er kam aus einer ganz anderen Fußballkultur als die meisten seiner Mitspieler. In seiner Heimatstadt Dresden waren sämtliche Spieler und Funktionäre dem berüchtigten Staatssicherheitsdienst - auch Stasi genannt - unterstellt. So auch er selbst. „Wenn du also für Dynamo Dresden Fußball gespielt hast, musstest du zunächst in die Volkspolizei eintreten. Als dann die Armee-Zeit anstand, hast du die nächste jeweilige Organisationsform annehmen müssen, wenn du weiterhin Fußball spielen wolltest. Bei Dynamo Dresden war es das Wachregiment 'Feliks Dzierzynski'. Es war im Prinzip ein Alibi, um keinen aktiven Wehrdienst leisten zu müssen.“

Er war 19 Jahre alt (unten im Bild), spielte schon in der ersten Mannschaft von Dynamo Dresden, als er in das besagte Wachregiment eintrat und von der Geheimpolizei als Mitarbeiter registriert wurde. Seine erst kürzlich enthüllte Akte wurde noch anderthalb Jahre lang geführt, bis zum Ende der DDR. Ein Entkommen gab es nicht wirklich, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Präsident von Dynamo Dresden damals ein gewisser Erich Mielke war, seines Zeichens Minister der Staatssicherheit. Dynamo Dresden stand also vollständig unter der Führung des berüchtigten Ministeriums für Staatssicherheit. Man nannte Sammer und seine Kollegen "Unteroffiziere auf Zeit". Als die "Sport Bild" ihn zum ersten Mal mit seiner eigenen Stasi-Akte konfrontierte, herrschte beim Interview für einige Momente betretenes Schweigen. Sammer sagte: "Es gab damals Zwänge, derer man sich nicht entziehen konnte. Das war natürlich traurig und ein Bestandteil eines falschen Systems. Und: Es war auch alternativlos."

Das Wachregiment Dzierzynski galt politisch als besonders zuverlässig. „Die Spieler von Dynamo wurden generell dem Wachregiment zugeteilt“, sagte Sammer, der mittlerweile als TV-Experte von Eurosport arbeitet.

Sammer beteuert, nie für die Stasi spioniert oder jemanden denunziert zu haben. Lediglich bei der Einkleidung und am Tag des Austritts nach 17 Monaten habe er mit dem Regiment zu tun gehabt. „Ich sah weder eine Waffe noch musste ich an irgendeiner Übung teilnehmen“, berichtete Sammer. Sein Vater Klaus, der aus Westdeutschland stammte, wollte nicht in die DDR-Staatspartei SED eintreten, und durfte deswegen nicht zu Olympia 1972 und zur WM 1974 fahren. Aber laut Sammer war es auch er, der seinem Sohn riet, sich nicht "querzulegen".  Er wusste also, dass er beobachtet wird. Dass er jedoch von Mitspielern bespitzelt wurde, sieht Sammer heute „überhaupt nicht problematisch“. Sammers Worte lösten eine Riesendebatte in den sozialen Netzwerken aus.

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