06.02.2004 19:43 |

Überraschend

Box-Weltmeister Lennox Lewis tritt zurück

Box-Weltmeister Lennox Lewis verschmäht 20 Millionen Dollar und hängt die Handschuhe für immer an den Nagel. Der 38-jährige Brite verkündete am Freitag in London seinen Rücktritt und verzichtet damit auf einen Rückkampf gegen Vitali Klitschko von der Hamburger Universum Box-Promotion.
Die Neuauflage dieses Duells hätte Lewisdie stattliche Börse von garantierten 20 Millionen Dollarnebst weiteren Prämien aus dem Fernsehgeschäft eingebracht.Der Schwergewichts-Champion des World Boxing Council (WBC) hatteim Juni vergangenen Jahres den Kampf wegen einer Verletzung Klitschkosumstritten gewonnen.
 
Lewis im O-Ton
"Am 21. Juni 2003 hat mein letzter Kampf stattgefunden",erklärte Lewis. "Es war mir eine große Ehre, der Fahnenträgerdes Boxens in den vergangenen zehn Jahren gewesen zu sein." Alseinen der Gründe für den Rücktritt nannte er "Respektvor dem Sport". "Es ist nicht leicht, Schwergewichts-Weltmeisterzu werden, und es ist noch schwerer, Weltmeister zu bleiben. Wennman nicht immer 110 Prozent geben kann, dann sollte man es nichttun", meinte er und deutete damit an, dass er nicht mehr zu Höchstleistungenim Stande bzw. bereit sei. "Es ist Zeit für eine jüngereGeneration von Boxern."
 
Motivation fehlte
Lewis, der immer längere Kampfpausen einlegte,konnte sich für weitere Titelkämpfe nicht mehr motivieren.Klitschko-Promoter Klaus- Peter Kohl wirft dem scheidenden Championvor, dass er vor einem Rückkampf mit Klitschko gekniffenhabe. "Ich glaube, er hat einfach Angst vor Vitali." Lewis willdie Entwicklung des Schwergewichts- Boxens nunmehr aus der Distanzbetrachten: "Ich bin sehr gespannt, wie die kommende Äraaussieht." Als mögliche Thronfolger sieht er den britischenOlympiasieger von Sydney 2000, Audley Harrisson, sowie die Klitschko-Brüderan. Sein Rat an die Ukrainer: "Es gibt keine gerade Straßezum WM-Titel. Es gibt Schlaglöcher und Kurven. Eine Niederlagebedeutet nicht das Ende der Box-Karriere."
 
Ali bedauert Rücktritt
Der legendäre frühere Schwergewichts-WeltmeisterMuhammad Ali bedauerte den Abschied von Lewis. "Wenn Lewis zumRücktritt bereit ist, ist das schade, aber er sollte es tun.Lewis ist ein großartiger Kämpfer", sagte er der englischenTageszeitung "The Sun" (Freitag- Ausgabe). Der Brite, der in seinerKarriere 41 von 44 Profi-Kämpfen gewann, davon 32 durch K.o.,und sich bei den Olympischen Spielen 1988 mit der Goldmedailleim Superschwergewicht schmückte, ist nach Gene Tunney undRocky Marciano (beide USA) erst der dritte Schwergewichtsboxer,der als amtierender Weltmeister zurücktritt.
 
Vitali Klitschko erster Herausforderer
Vitali Klitschko ist nun erster Anwärter aufeinen Kampf um den vakanten WM-Titel des WBC. Der in Hamburg undLos Angeles lebende Ukrainer muss sich nun mit dem an Nummer zweider WBC-Rangliste gesetzten Südafrikaner Corrie Sanders auseinandersetzen. Das Duell ist von besonderem Reiz, da Sanders Klitschkosjüngerem Bruder Wladimir im Frühjahr vergangenen Jahresdurch einen spektakulären K.o.-Sieg den WM-Titel der WorldBoxing Organization (WBO) abgenommen hatte. Diesen Titel hatteder Südafrikaner allerdings wenige Monate später niedergelegt."Wir gehen davon aus, dass im April der Kampf zwischen Vitaliund Sanders realisiert werden kann. Ob er in Amerika oder Deutschlandstattfindet, ergeben die Verhandlungen", sagte Universum-SprecherChristoph Rybarczyk.
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