21.03.2009 18:33 |

Schreckliche Bluttat

Mord und Selbstmord in Wiener Selbsthilfegruppe

Unerwiderte Liebe dürfte das Motiv für einen Mord mit anschließendem Selbstmord am späten Freitagabend in der Wiener Innenstadt gewesen sein. In den Räumlichkeiten der Österreichischen Autistenhilfe (ÖAH) in der Eßlinggasse 17 erschoss ein 29-jähriges Mitglied einer Autisten-Selbsthilfegruppe eine 24-jährige Studentin und richtete die Waffe anschließend gegen sich selbst. Offenbar hatte sie seine Liebe zu ihr nicht erwidert, wie ÖAH-Vizepräsidentin Ruth Renee Kurz am Samstagvormittag schilderte.

Wie jeden Freitag hatte sich die Selbsthilfegruppe, drei Männer und zwei Frauen, gegen 19.00 Uhr im Therapiezentrum der ÖAH versammelt, so Polizeisprecherin Iris Seper. ÖAH-Vizepräsidentin Kurz zufolge handelte es sich um eine komplett autarke Gruppe: "Sie haben sogar miteinander gekocht. Die ÖAH hat ihnen die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt."

Der 29-jährige Mann dürfte etwa gegen 21.00 Uhr die Gruppe verlassen und eine halbe Stunde später zurückgekehrt sein. Diesmal war er maskiert und mit einem Karabiner sowie einer Leuchtpistole bewaffnet. Mehrmals schoss er mit dem Gewehr auf die 24-Jährige, die in einem Wiener Studentenheim lebte, ehe er sich in einem Nebenraum selbst tötete. Die anderen Gruppenmitglieder konnten sich schwer geschockt in Sicherheit bringen. Seper: "Es deutet alles darauf hin, dass es sich um eine Beziehungstat gehandelt hat."

Waffe offenbar selbst gekauft
Die Waffen dürfte der bei seinem Vater in Ottakring wohnende Täter selbst gekauft haben. Für sie sei keine Berechtigungskarte erforderlich, so Seper. Nach wie vor fraglich ist, was den 29-Jährigen zu der Tat getrieben hat. Gerade bei Autisten seien solche Handlungen sehr ungewöhnlich, erklärte Kurz: "Normalerweise ist es so, dass Autisten, wenn sie überhaupt zu Aggressionen neigen, diese eher gegen sich selbst richten. Gerade diese Kinder brauchen besonders viel Liebe, weil sie so übersensibel sind, viel sensibler als wir alle." Der ÖAH-Vizepräsidentin zufolge hat der Täter vor kurzem eine Bezugsperson durch Todesfall verloren, was seine Situation zusätzlich schwierig gemacht haben könnte.

Nähere Aufschlüsse durch Zeugeneinvernahme
Nähere Aufschlüsse erhofft sich die Polizei nun durch die Einvernahme der drei Augenzeugen. Entgegen früheren Informationen waren diese in der Nacht nicht einvernehmungsfähig. Wegen ihres schweren Schocks mussten sie betreut werden. Ob der Zustand der drei längere Befragungen erlaubt, ist noch offen.

Rund 70.000 Menschen in Österreich von Autismus betroffen
Unter Autismus sind primär Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen zu verstehen, die dem Betroffenen massive Probleme bei der Verarbeitung von Umweltreizen bereiten. So beantwortet die Österreichische Autistenhilfe (ÖAH) die Frage "Was ist Autismus?" auf ihrer Homepage. In zweiter Linie gehe es dabei um eine soziale Störung. Betroffen sind in Österreich rund 70.000 Menschen. Die Störung äußert sich hauptsächlich durch eine Beeinträchtigung der Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit. Darüber hinaus sind motorische, kognitive und affektive Funktionen betroffen.

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