Aufmarsch in Graz

600 Demonstranten für Chirurgie-Erhalt

Steiermark
21.01.2009 11:19
Um das Landeskrankenhaus Bad Aussee, das ohne Chirurgie neu gebaut werden soll, ist ein Konflikt ausgebrochen. Am Montag demonstrierten rund 600 Ausseer vor der Grazer Burg für die Erhaltung der Chirurgie, in der Burg krachte es zwischen den Regierungspartnern SPÖ und ÖVP: Während Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) mit der optimalen Versorgung argumentierte, die nur bei bestimmten Fallzahlen möglich sei, konterte sein Stellvertreter Hermann Schützenhöfer (ÖVP) mit einem Beschluss aus 2005, der die Chirurgie inkludiere und der für ihn nach wie vor gültig sei.

Nachdem sich im Ausseerland, das künftig chirurgisch über Rottenmann versorgt werden soll, der - laut SPÖ ÖVP-gesteuerte - Widerstand stärker als erwartet formiert hat, machte Voves die Angelegenheit zur Chefsache: Entgegen der Empfehlung des Rechnungshofes habe man sich für einen Spitalsneubau entschieden, einen qualitativ hohen Versorgungsstandard könnten aber nur chirurgische Zentren gewährleisten, weshalb man sich für einen Verbund mit dem nahen Rottenmann entschieden habe. Scharf attackierte er den Sprecher des Protestforums, einen leitenden Bankangestellten, "der sich als Bänker zum chirurgischen Fachexperten aufspielt". Die ÖVP sei "unglaubwürdig", zumal von ihr immer Reformen und Kostensenkungen eingefordert worden sei.

Hirt: "Notwendige Praxis nicht gegeben"
Spitalslandesrat Helmut Hirt (SPÖ) verwies auf die geringe Zahl an Operationen (jährlich 650 statt mindestens 1.000), um ein eigenes Operationsteam mit Primariat und Bettenstation zu rechtfertigen. Dabei gehe es weniger um die Kosten, denn um die notwendige Praxis, die bei zwei Blindarm-OPs 1,5 nächtlichen Aufnahmen pro Monat einfach nicht gegeben sei. Dies treffe auch auf andere Verbünde zu, etwa Judenburg - Knittelfeld oder Mürzzuschlag - Bruck/Mur, wo in Mürzzuschlag die FPÖ als "Leichentuchwachler" unterwegs sei.

Ein Drittel der OP's würden auch künftig durchgeführt
In Bad Aussee würde mit Eröffnung des um zwölf Millionen Euro neu errichtete und mit zusätzlichen Angeboten wie Augenheilkunde, Dermatologie und Palliativstation ausgestattete LKH frühestens 2011 die chirurgisch Basisversorgung weiter erhalten bleiben. Eingriffe wie nach einfachen Brüchen würden weiter behandelt, ein Drittel der heute durchgeführten Operationen würden auch künftig durchgeführt.

Beschluss aufgeschoben
ÖVP-Landeschef Schützenhöfer ließ die Argumentation trotzdem nicht gelten: "Versprochen ist versprochen" und "Vor der Wahl ist nach der Wahl", lauteten seine Botschaften. Der Beschluss für den Neubau - ohne Chirurgie - wurde zwar aufgeschoben, dürfte aber mit ziemlicher Sicherheit am kommenden Montag mit SPÖ-Mehrheit nachgeholt werden.

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