09.12.2008 11:21 |

Camp gestürmt

Mutmaßliche Terror-Chefplaner verhaftet

Die pakistanische Regierung hat die Festnahme eines Verdächtigen der Terrorserie von Bombay bestätigt und einen weiteren islamistischen Terrorverdächtigen gefasst. Verteidigungsminister Choudhry Mukhtar Ahmed sagte dem indischen Nachrichtensender CNN-IBN am Dienstag, Sicherheitskräfte hätten Zaki-ur-Rehman Lakhvi (im Bild) und Masood Azhar "aufgegriffen".

Indien hält Lakhvi, der der Operationschef der Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba (LeTT) sein soll, für einen der Drahtzieher der Angriffe von Bombay mit mehr als 170 Toten. Azhar gilt als Chef der Terrorgruppe Jaish-e-Mohammad (JeM). Indien macht LeT und JeM auch für den Anschlag auf das indische Parlament Ende 2001 verantwortlich.

Indien hatte von Beginn an erklärt, dass pakistanische Gruppen hinter dem 60-Stunden-Terror-Horror in der Wirtschaftsmetropole Bombay stecken. Die Aussagen des einzigen überlebenden Terroristen schienen das zu bestätigen. Er erklärte, von der radikal-islamischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba im pakistanischen Teil Kaschmirs ausgebildet worden zu sein. Mittlerweile gehen auch westliche Geheimdienste davon aus, dass die Kaschmir-Rebellen die Drahtzieher der Attentatsserie waren. Und selbst US-Außenministerin Rice hatte jüngst erklärt, es gebe "keine Zweifel", dass die Attentate auf pakistanischem Boden geplant worden sein.

Auslieferung an Indien abgelehnt
Jetzt stürmte die pakistanische Armee ein Terrorcamp bei Musaffarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils von Kaschmir. Augenzeugen berichten von mehreren Explosionen, Dutzenden Soldaten und einem Hubschrauber. Unter den bis zu 15 Verhafteten befindet sich offiziellen Angaben zufolge auch der von Indien gesuchte Zaki-ur-Rehman Lakhvi, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschlagsserie von Mumbai. Eine Auslieferung an Indien lehnt Pakistan aber ab. Wie der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi am Dienstag in einer Rede in Multan sagte, sollen die Verdächtigen in Pakistan vor Gericht gestellt und im Fall ihrer Schuld nach pakistanischen Gesetzen verurteilt werden.

Terrorgruppe angeblich von Geheimdienst gegründet
Lashkar-e-Taiba ("Armee der Reinen") wurde nach Einschätzung von Experten in den 80er-Jahren mit Hilfe des pakistanischen Geheimdienstes gegründet, um gegen die indische Herrschaft in einem Teil Kaschmirs zu kämpfen. Nach einem der Organisation zugeschriebenen Anschlag auf das indische Parlament wurde die Lashkar-e-Taiba 2001 in Pakistan verboten.

LeT hat an Stärke gewonnen
Die Zeitung "The New York Times" berichtete am Montag unter Berufung auf amerikanische Geheimdienstquellen, Lashkar habe in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des pakistanischen Geheimdienstes ISI an Stärke gewonnen. ISI habe Informationen an die Gruppe weitergegeben und sie vor Strafverfolgung geschützt. Es gebe allerdings keine Beweise, dass Lashkar-e-Taiba in die Anschläge von Bombay verwickelt sei.

Christian Hauenstein, Kronen Zeitung, und krone.at

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