07.08.2008 15:05 |

Katerstimmung

Kein Wunder von Wien - Rapids EC-Saison vorbei

Das im Vorfeld oft beschworene "Wunder von Sankt Hanappi" ist ausgeblieben. Der österreichische Fußball-Meister SK Rapid verabschiedete sich am Mittwoch bereits in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation aus dem Europacup, da nützte auch der 3:1-Heimsieg über Anorthosis Famagusta nichts - die 0:3-Hypothek aus dem blamablen Hinspiel war zu groß gewesen. Finanzielle Probleme drohen dem österreichischen Rekordmeister durch das frühe Aus im Europacup aber angeblich nicht.

Steffen Hofmann stand nach dem erstmaligen Ausscheiden einer ÖFB-Clubmannschaft in der zweiten und vorletzten Runde der Qualifikation für die Eliteliga die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Wir haben alles gegeben, aber uns hat das Glück gefehlt, das Famagusta im ersten Spiel gehabt hat. Normalerweise müssten wir gegen so ein Team weiterkommen", sagte der Kapitän und sprach von der "bittersten Situation" in seiner gesamten Zeit bei Rapid.

Pacult: "Weniger schöner Tag"
Weniger drastisch beurteilte Trainer Peter Pacult das Out gegen den zypriotischen Meister, der nun auf Olympiakos Piräus trifft. "Es gibt im Fußball schöne und weniger schöne Tage, und heute war ein weniger schöner Tag." Der Wiener wollte den frühzeitigen internationalen Abschied nicht ausschließlich an der Niederlage in der vergangenen Woche festmachen. "Es hat in zwei Spielen nicht gereicht. Wo wir es verloren haben, ist letztlich egal."

Keine Schuldzuweisung an Goalie Koch
Pacult verzichtete unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf scharfe Kritik an seiner Mannschaft und hob vielmehr die Leidenschaft hervor, mit der seine Spieler trotz des frühen Gegentores um den Aufstieg kämpften. "Man hat von der ersten Minute an gesehen, dass die Mannschaft alles versucht, um das Ergebnis aus dem Hinspiel zu korrigieren. Auch nach dem 0:1 haben sich die Spieler nicht hängengelassen und noch in der Pause an das Unmögliche geglaubt. Das zeugt vom guten Charakter der Mannschaft", sagte der 48-Jährige und beklagte: "Das Quäntchen Glück ist nicht auf unserer Seite gewesen."

Kommen nun Hedl oder Lukse?
Allerdings war mit Pech allein nicht zu erklären, warum Goalie Georg Koch beim zum Gegentor führenden dahinhoppelnden Kopfball wie angewurzelt stehenblieb. "Er ist auf dem falschen Fuß erwischt worden", lautete der Erklärungsversuch des früheren 1860-Betreuers, der offenließ, ob der in dieser Saison schon öfters unsichere Ersatzmann für den erkrankten Helge Payer auch künftig im Tor stehen wird. "Ich werde nach so einem Spiel nicht eine Personal-Situation öffentlich diskutieren."

Zum Alleinschuldigen wollte Pacult den 36-jährigen Deutschen nicht stempeln, sondern bemängelte auch die Fehler, die unmittelbar vor dem 0:1 passierten waren. So ließ etwa Andreas Dober seinen Gegenspieler ungehindert flanken, was ein Mitgrund für seine Auswechslung nach einer halben Stunde war. Außerdem missfiel dem Meistermacher, dass sich der Außenverteidiger auf seiner Seite nicht durchzusetzen vermochte und oft schon auf Höhe der Mittellinie die weiten Hereingaben schlug.

Drazan lässt für die Zukunft hoffen
Immerhin darf sich Pacult glücklich schätzen, einen echten Rohdiamanten in seinem Kader zu haben. Wie schon am Samstag gegen Kapfenberg legte der 17-jährige Christopher Drazan, Sohn von Ex-Austrianer Fritz Drazan, auch bei seinem Europacup-Debüt eine beeindruckende Talentprobe ab und war mit seinen zwei mustergültigen Vorlagen für den Doppelpack von Stefan Maierhofer maßgeblich daran beteiligt, dass im prall gefüllten Hanappi-Stadion noch einmal Hoffnung aufkam.

Der Coach vermied es jedoch, Lobeshymnen auf den Linksfuß anzustimmen und erteilte dem aufgehenden Stern auch striktes Interview-Verbot. Drazan müsse sich im Moment ausschließlich auf seine fußballerische Entwicklung konzentrieren können, heißt es von Rapid-Seite.

Keine Finanzprobleme durch frühes Aus
Aus finanzieller Hinsicht stellt der frühe Europacup-Abschied von Rapid laut Präsident Rudolf Edlinger kein Problem dar: "Das hat für uns keine Bedeutung, weil wir für diesen Posten ihm Budget den eher geringen Betrag von rund 500.000 Euro eingetragen haben. "Nach den Angaben von Edlinger bleiben den Hütteldorfern aus dem Duell mit dem zypriotischen Meister Einnahmen zwischen 200.000 und 300.000 Euro. "Und bei einem Budget von zwölf Millionen Euro ist es nicht schwierig, 200.000 oder 300.000 Euro einzusparen."

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 16. September 2021
Wetter Symbol