Als ein Pferd im flotten Trab seine Laufstrecke in der Prater Hauptallee blockierte, war Gerson kurz erstaunt. Dabei – nicht nur wegen der Hitze – kamen Heimatgefühle auf. "Das passiert dir auch an der Copacabana", lachte der 20- Jährige. Am Strand in Rio de Janeiro hat der Neo- Rapidler zum Kicken begonnen, ehe er mit acht Jahren zu Botafogo kam.
Dem Traditionsklub gehört der Innenverteidiger immer noch, obwohl er seit 2010 durch Europa tourt. Bei Eindhoven und Atletico Madrid kam Gerson aber nur in den B- Teams zum Zug. "Daher musste was passieren", erzählt der Sonnyboy in gebrochenem Englisch. Erst im kleinen Kapfenberg war Gerson gesetzt. "Er ist mir sofort aufgefallen", sagt Schöttel. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass wir ihn bekommen."
Denn auch Klubs aus Deutschland waren an ihm dran. "Aber Schöttel arbeitet mit jungen Spielern", begründet Gerson, warum er sich für Grün- Weiß entschied. "Rapid ist ein großer Klub, da kann ich Titel holen." Diese Phrasen kennt man von Neuzugängen. Schöttels Begründung ist treffender: "Er ist jung und hungrig. Er kann ein großer Spieler werden, dafür ist Rapid das ideale Sprungbrett."
Schließlich will der Youngster seinen Brasilo- Vorbildern Lucio und Milan- Legionär Thiago Silva nacheifern: "Ich bin kein Typ, der die Bälle nur wegdrischt. Das widerstrebt uns. In Brasilien trainieren die Kinder nur Technik, hier in Europa zählen Tempo, Härte und Kombinationen mehr." In Hütteldorf soll Gerson für die richtige Mischung sorgen – Schöttel: "Wir hatten Probleme beim Herausspielen aus der Abwehr, da kann er helfen."
Unterdessen trudelte in Hütteldorf das erste Angebot von Kaiserslautern für Christopher Drazan ein. Doch die Summe ist für Rapid noch indiskutabel, nicht einmal eine Gesprächsbasis. Da geht der Poker in die nächste Runde. Der Abgang des Flügelflitzers scheint aber fix.