Das freie Wort

Europas Wohlstand auf fremden Fundamenten

Was im Iran-Konflikt passiert, ist ein Live-Beweis für Europas Abhängigkeit. In kürzester Zeit steigen Gaspreise massiv, Ölpreise springen zweistellig nach oben, Staaten wie Österreich müssen eingreifen, mit Steuersenkungen, Subventionen und Notmaßnahmen. Nicht schleichend, sondern in Tagen. Warum ist das so gefährlich? Weil ein Krieg im Nahen Osten Europa trifft. Ein erheblicher Teil des weltweiten Ölflusses läuft durch die Straße von Hormus. Gleichzeitig ist Europa Nettoimporteur von Öl und Gas. Das bedeutet: Wenn dort etwas eskaliert, zahlt Europa sofort die Rechnung. Die Kettenreaktion ist immer dieselbe: Krise/Krieg, Energiepreise steigen, Transporte verteuern sich, die Produktion wird teurer, Lebensmittel- und Alltagskosten steigen, die Inflation zieht an und die Wirtschaft wird gebremst. Schon ein moderater Anstieg beim Ölpreis reicht, um die Inflation spürbar zu erhöhen. Der entscheidende Punkt: Europa kann in solchen Situationen nicht steuern, nur reagieren. Es kann kein eigenes Öl in ausreichendem Maß fördern, keine globalen Lieferketten kontrollieren, keine Preise bestimmen. Es bleiben Notlösungen: Subventionen, politische Appelle, kurzfristige Eingriffe. Trotzdem inszeniert sich Europa gern als souveräner, globaler Player. Begriffe wie „Unabhängigkeit“ und „strategische Autonomie“ gehören zum festen Vokabular von Politikern wie von der Leyen oder Macron. Die Realität ist deutlich unbequemer: Europa funktioniert nur mit anderen, allein steht es erstaunlich schwach da. Energie kommt von außen. Öl aus Saudi-Arabien, Gas lange aus Russland, heute teuer aus anderen Regionen. Fördergebiete wie die Nordsee reichen nicht aus. Ohne Importe würde ein großer Teil der Industrie stillstehen. Technologie kommt von außen. Digitale Infrastruktur basiert auf Konzernen (wie Microsoft, Google, Amazon). Hochleistungschips kommen überwiegend von TSMC. Europa nutzt, aber führt selten. Sicherheit kommt von außen. Ohne die NATO (und vor allem die USA) wäre Europas militärische Abschreckung deutlich schwächer. Rohstoffe kommen von außen. Seltene Erden, Lithium, Kobalt, zentral für moderne Technologien, stammen oft aus China oder politisch instabilen Regionen. Die Produktion wurde ausgelagert. Aus Effizienz hat Europa große Teile der Industrie nach Asien verlagert. In Krisen fehlen Medikamente, Bauteile, grundlegende Produkte. Das Problem ist nicht fehlendes Können, sondern sind falsche Prioritäten. Europa hat sich bewusst in eine komfortable Abhängigkeit entwickelt: Andere liefern, Europa konzentriert sich auf Wohlstand, Regulierung und Stabilität. Dieses Modell funktioniert nur, solange die Welt stabil bleibt. Ereignisse wie Russland gegen Ukraine haben gezeigt, wie schnell das Gleichgewicht kippt. Die harte Realität: Ein Konflikt Tausende Kilometer entfernt reicht, um Europa wirtschaftlich unter Druck zu setzen, bis zur Gefahr, dass ganze Industrien ins Stocken geraten. Die Quintessenz: Europa ist kein schwacher Kontinent, aber ein abhängiger. Es kann organisieren, regulieren und verwalten, doch in zentralen Fragen der eigenen Versorgung steht es nicht auf eigenen Beinen. Europas Stabilität hängt von Regionen ab, die es nicht kontrolliert.

Hans-Peter Hauer, Haid

Erschienen am So, 22.3.2026

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