Das freie Wort

Empathie gegen Trumpokratie

Hannah Arendt schrieb einmal: „Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in Barbarei verfällt.“ Die überwiegend friedlichen Proteste in Kalifornien gegen die Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE zeigen, dass Empathie und Solidarität in der Gesellschaft noch weit verbreitet sind – insbesondere, wenn sie auf die Probe gestellt werden. Solange die Menschen in einer Gemeinschaft Empathie und Mitgefühl für ihre Nachbarn spüren, die ebenfalls Väter und Mütter sowie Arbeiter und Arbeiterinnen sind, und mit ihnen eine Gemeinschaft bilden, werden sie auf die Straße gehen, wenn diese Gemeinschaft angegriffen wird. Ein Beispiel hierfür ist die Verhaftung von Menschen in ihren Häusern, an ihren Arbeitsplätzen und sogar in Schulen durch vermummte und bewaffnete Beamte der ICE in Kalifornien. Doch wie Elon Musk einmal sagte: „Die grundlegende Schwäche der westlichen Kultur ist die Empathie.“ Genau deshalb versucht Trump jetzt, diese Welle der Empathie und Solidarität in Kalifornien zu brechen und die Proteste richtig aufzuheizen. Er bezeichnete die Demonstranten als „gewaltsame aufständische Meuten“, um die Entsendung der Nationalgarde – auch gegen den Willen der örtlichen Behörden – zu rechtfertigen. Und hier dürfen wir nicht vergessen: Das ist derselbe Präsident, der sich beim Sturm auf das Kapitol am 6. 1. 2021 weigerte, die Nationalgarde zu entsenden! Empathie und Solidarität sind die größten Feinde der Trumpokratie, die nur durch zunehmende Entmenschlichung in der Gesellschaft funktionieren kann. Heute sind es Einwanderer, morgen Andersdenkende und übermorgen alle anderen. Nachdem er bereits die Justiz und die Universitäten angegriffen hat, greift er nun friedliche Gemeinschaften sowie die Souveränität eines von Demokraten regierten Bundesstaates an. So entwickelt sich die älteste Demokratie der Welt unter Trump rasant zur jüngsten Diktatur weltweit.

José Curado, Klosterneuburg

Erschienen am Fr, 13.6.2025

Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Weitere Leserbriefe
7.6.2026Datum auswählen
Lasst unsere Lebensmittel im eigenen Land!
Die Agrar- und Handelspolitik der letzten Jahre hat einen Zustand geschaffen, der für viele Bürger längst nicht mehr nachvollziehbar ist. Während ...
Hans-Peter Hauer
Zelenskijs Friedensangebot
Der ukrainische Präsident Zelenskij machte mit einem offenen Brief Russlands „Spezialoperateur“ Putin den Vorschlag für ein persönliches Treffen, um ...
Franz Weinpolter
Friedensgespräche
Zelenskij hat nun an Putin einen Brief geschrieben, in dem er ihn um ein Gespräch bittet. Das kommt mindestens fünf Jahre zu spät, denn das hätte ...
Josef Blank
Adieu, Marcel
Bezüglich Ihrer ergreifenden Kolumne, liebe Frau Bischofberger, ,,Adieu, Marcel“, kann ich als ein Befürworter von freiwillig aus dem Leben Scheiden, ...
Heinz Vielgrader, Rappoltenkirchen
Der gute Ton in der Politik
In der Politik scheint es zum guten Ton geworden zu sein, dass man gegen andere Länder Sanktionen verhängt oder gleich kriegerische Mittel einsetzt. ...
Wolfgang Ertl
Neue Belastungswelle
Wenn man hört und liest, welche neuen Belastungen die Regierung plant, wird man zornig – spätestens dann, wenn man hört, dass das Belastungspaket ...
Stephan Pestitschek
Sparen und Effizienz
Österreich muss sparen, so viel steht fest. Wenn man aber liest, dass sich diese Republik, sprich die Ministerien, punkto Bürokratieabbau selber im ...
Eduard Fitzka
Ein ORF-Millionen-Sparpaket ist fällig!
Angeblich werden beim ORF die Sparpläne immer konkreter. Nachdem zuletzt Berichte über zusätzliche Einsparungen von Hunderten Millionen Euro für ...
Mag. Anton Bürger
EU-Beitritt der Westbalkanstaaten
Die Diskussion über den raschen EU-Beitritt der Westbalkanstaaten bereitet den Bürgern große Sorgen. Die Europäische Union hat schon jetzt massive ...
Ernst Pitlik
EU-Erweiterung
Die Europäische Union wird sich erweitern, der Westbalkan soll zügig integriert werden. Die Beitrittskandidaten erwarten sich wirtschaftlichen ...
Franz Peer
Arme Lehrer
Gott sei Dank haben wir – auch dank der „Krone“ – eine mutige Frau wie Frau Susanne Wiesinger, die sich in ihrer Kolumne nie ein Blatt vor den Mund ...
Josef Pratsch
EU-Beitritt Islands – „ein Gewinn“?
Die österreichische Außenministerin hat verkündet, ein Beitritt Islands zur EU wäre „ein Gewinn“. Fragt sich nur, für wen. War denn nicht ...
Dr. Adrian Hollaender
Es reicht!
Mit dem sinnlos hochgejubelten UN-Sitz beweist diese Regierung, dass sie vollends bodenlos realitätsfern ist. Österreich international als neues ...
Heinrich Nowak
Guter Schmäh!
Frau Meinl-Reisinger tut so, als hätte Österreich in einem harten Kampf und mit kluger Diplomatie gegen die restlichen 193 (!) Länder der Welt einen ...
Dr. Peter Kozlowsky
Abwarten und Tee trinken
Es genügt, wenn FPÖ-Chef Herbert Kickl derzeit nur diese volkstümliche Floskel beherzigt, denn die Koalitionsregierung schaufelt sich mit ihren ...
Franz Köfel
Teuer erkaufte Aufmerksamkeit
20 Millionen Euro für zwei Jahre im UNO-Sicherheitsrat. Österreich nennt das Außenpolitik – man könnte es auch als luxuriösen Kurztrip in die ...
Wolfgang Toifl
Stimme im UN-Sicherheitsrat
Wird nun Wien als Diplomatie-Standort wieder für allgemeine Friedensgespräche wegen „andauernder Neutralität“ in den Vordergrund rücken?
Alois Neudorfer
ÖVP und SPÖ
Da haben ÖVP und SPÖ noch nicht einmal den ersten Postenschacher hinsichtlich Generaldirektor vollzogen, und schon bahnt sich zwischen den beiden ...
Stefan Scharl

Voriger Tag
7.6.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung