Das freie Wort

Politiker haben es schwer

Wer will heute noch Politiker werden?“ Diese Frage, die Dr. Georg Wailand („Krone“ vom 14. 5.) stellt, ist sehr ernst zu nehmen. Es finden sich oft unglaublich schnell Leute, die in die Politik gehen, aber können sie dort auch – wenigstens eine Periode lang – bestehen? Haben sie auch das große Fachwissen für das Ressort und für das komplexe Umfeld etwa in juristischer Hinsicht? Sie stehen doch immer vor vielen und auch neuen Aufgaben und Herausforderungen. Der Erwartungsdruck ihnen gegenüber ist enorm, Lösungs- und Ergebnisorientierung werden verlangt. Mehr Real- als Symbolpolitik. Auch haben sich die einzelnen Politiker in einem nicht allzu breiten Korridor zu bewegen, vorgegeben durch Partei-, Koalitions-, Sachzwänge bzw. -ziele und auch durch budgetäre Limits. Sie sollten zugleich ein Kompetenzbündel sowie gute Vermarkter und auch Selbstvermarkter sein. Sie sollten überhaupt gut kommunizieren können, möglichst ohne eitel zu sein und vor allem ohne Phrasen. Bodenhaftung, sprich Bürgernähe, und Wetterfestigkeit wären hilfreich, sonst kippen sie schon bei leichter Windbrise um. Nicht zuletzt sind sie auf die Fairness der Medien angewiesen. Da gibt es schon auch eine unterschiedliche Behandlung, einige werden sehr gern geprügelt, andere werden gleichsam ignoriert, also mediale Verhältnismäßigkeit ist nicht immer erkennbar. Manche Bürger müssten wohl ihre zu hohen Erwartungen zurückschrauben und sich um mehr Verständnis der realen Zusammenhänge bemühen. Manche neidische „Polit-Freunde“ sind untereinander vermutlich weniger fehlerfreundlich eingestellt als manche Bürger. Schade ist, dass es so viele farblose Politiker gibt und auch solche, die viel Trübsinn vermitteln. Es gibt so viele exzellente Persönlichkeiten, die potenziell Politiker sein könnten, aber vielen ist das Erscheinungsbild der Politik zu wenig attraktiv und der Kräfteaufwand für Nebensächliches viel zu groß. Politik ist ein brutales, unverzichtbares Geschäft. Ich wünsche den Politikern und Politikerinnen vor allem rasche Lernbereitschaft mit Zukunftsblick, Entscheidungsfreude im Interesse der Bürger (also auch ständige Entbürokratisierung) und starke Nerven!

Karl Brunner, Klagenfurt

Erschienen am Mo, 23.5.2022

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