Das freie Wort

Frau an der Spitze des Bundesheeres

Erstmalig in unserem Land wird das Verteidigungsministerium künftig durch eine Frau geführt. Wie zu erwarten, wurden sofort Bedenken gegen die Ernennung geäußert und der neuen Ministerin ihr Scheitern vorausgesagt. Tatsächlich ist eine Frau als Verteidigungsministerin nicht alltäglich, gerade deshalb eröffnen sich für das Bundesheer neue Möglichkeiten und Chancen, um endlich aus der existenziellen Krise zu kommen. Die Verteidigungsministerin ist nicht durch die militärische Organisation durchgegangen und hat auch keinen Präsenzdienst geleistet, doch in ihrer bisherigen politischen Tätigkeit als Obfrau des niederösterreichischen Bauernbundes bewies sie Durchsetzungsvermögen und gilt als Macherin. Die überaus guten Kontakte zum Bundeskanzler sind sicherlich auch kein Nachteil, um den Bedürfnissen des Bundesheeres Gehör und Mittel zu verschaffen. Darüber hinaus kann sich die neue Ministerin an einem unter ihrem Vorgänger BM Starlinger erarbeiteten, aktuellen Zustandsbericht und den dringlichen anstehenden Entscheidungen bedienen, womit sich ihre Einarbeitungszeit auf nahezu null reduziert. Berater und Vertraute mit hoher Fachkompetenz sind im Bundesheer in ausreichender Zahl vorhanden und werden ihr loyal zur Seite stehen. Sie hat die große Chance, die Herzen der engagierten, jedoch immer wieder enttäuschten Mitarbeiter des Bundesheeres zu gewinnen. Dazu muss sie auf die rasche Entscheidung über die Zukunft der Luftraumsicherung drängen, Mittel zur Beschaffung zeitgemäßer Ausrüstung verfügbar machen und Verbesserung der militärischen Infrastruktur vorantreiben. Was bisher ihren männlichen Kollegen aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich war, könnte gerade dieser Frau mit der ihr zugeschriebenen Durchschlagskraft gelingen. Bedenken und Zweifel, ob Frauen zum Führen einer männerdominierten Organisation geeignet sind, sind bereits beantwortet. In einigen Nachbarländern unseres Landes haben Frauen höchst erfolgreich das Verteidigungsministerium geführt. Auch war nicht jeder männliche Verteidigungsminister in seiner Tätigkeit erfolgreich und nutzte seine erfolglose Tätigkeit vor allem zur Selbstdarstellung oder zum nächsten höheren Karrieresprung.

Franz Peer, Linz

Erschienen am Di, 7.1.2020

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