15.12.2007 19:55 |

Massenkundgebung

Hamas feiert 20-jähriges Bestehen

Mit einer Massenkundgebung in Gaza hat die radikale Palästinenserorganisation Hamas am Samstag den 20. Jahrestag ihrer Gründung gefeiert. Von seinem syrischen Exil aus unterstrich Hamas-Politbürochef Khaled Mashaal die Fähigkeit der "islamischen Widerstandsbewegung", noch eine "dritte oder vierte Intifada" (Volkserhebung) (nach jenen von 1987 und 2000, Anm.) gegen die israelische Okkupation "bis zum Sieg des palästinensischen Volkes" auszulösen. Hunderttausende Menschen kamen in Gaza zusammen und schwenkten grüne Hamas-Fahnen. Auf Transparenten war zu lesen: "Wir werden Israel nicht anerkennen".

Nach ersten Schätzungen nahmen mindestens genauso viele Menschen an der Hamas-Demonstration teil wie an einer ähnlichen Veranstaltung der Fatah, zu der im November anlässlich des dritten Todestages des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat annähernd 250.000 Menschen gekommen waren. In der Menge waren auch Dutzende Angehörige des bewaffneten Flügels der Hamas, "Brigaden Ezzedin al-Kassam", zu sehen, die nachgemachte Kassam-Raketen mit sich trugen. Auch etwa 50 weibliche Hamas-Kämpferinnen beteiligten sich an dem Aufmarsch, zumeist in lange Roben und Armeewesten gekleidet.

Kontrolle über den Gaza-Streifen
Die außerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) stehende Hamas hatte Mitte Juni nach blutigen Gefechten mit der stärksten PLO-Fraktion Fatah die alleinige Kontrolle über den Gaza-Streifen übernommen. Präsident Mahmoud Abbas hatte daraufhin die Hamas-geführte palästinensische Einheitsregierung unter Premier Ismail Haniyeh aufgelöst und im Westjordanland ein Fatah-Notstandskabinett unter Salam Fayyad eingesetzt.

Anti-israelische Parolen
Mashaal schloss in seiner Fernsehbotschaft einen Gewaltverzicht gegenüber Israel aus: "Das ist unsere Trumpfkarte, mit der wir erreichen werden, dass der Feind unterliegt!" Abbas habe kein Mandat für Verhandlungen mit Israel, sagte der Hamas-Führer. Am Vortag hatten Sicherheitskräfte der Hamas einen Fatah-Funktionär und Mitarbeiter Fayyads festgenommen, der kurz zuvor nach Gaza gekommen war, um am Begräbnis seiner Schwiegermutter teilzunehmen.

1987 gegründet
Hamas (Abkürzung für "Bewegung des Islamischen Widerstandes") wurde 1987 zu Beginn des ersten Volksaufstands (Intifada) von Scheich Ahmed Yassin in Gaza gegründet, angeblich mit Unterstützung der israelischen Geheimdienste, die damit das Ziel verfolgten, Arafat politisch zu schwächen. Yassin hatte wiederholt erklärt, dass Selbstmordanschläge "bis zur Befreiung Palästinas" fortgesetzt würden. Yassin und sein Nachfolger Abdelaziz Rantisi wurden Opfer von "gezielten Tötungen" der israelischen Armee im Gaza-Streifen.

Die "Brigaden Ezzedin al-Kassam" haben sich zu einer Reihe von Selbstmordanschlägen in Israel bekannt. Ezzedin al-Kassam war ein nationalistischer arabischer Scheich, der 1935 im Kampf gegen die britische Mandatsmacht umkam. Neben dem militärischen und dem politischen Arm der Organisation gibt es eine Reihe von sozialen Diensten, die sich um Ausbildung, Gesundheitsfürsorge und Arbeitsbeschaffung kümmern, sowie Bedürftige mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgen. Auch Hinterbliebene von Opfern im Kampf gegen Israel und Familien von inhaftierten Palästinensern werden unterstützt. Im Jänner 2006 hatte die Hamas die palästinensischen Parlamentswahlen mit absoluter Mandatsmehrheit gewonnen.

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