Sa, 23. Juni 2018

BAWAG-Prozess

11.10.2007 17:47

Elsner-Freund Martin Schlaff als Zeuge befragt

Ungeheuer viel Geld, ein legendärer Ruf und viele Geheimnisse - Milliardär Martin Schlaff war am 38. Tag des BAWAG-Prozesses als Zeuge Garant für einen überfüllten Schwurgerichtssaal. Er blieb einsilbig, wenn es konkret wurde. Und das wurde es, als Staatsanwalt Georg Krakow zu Beginn dieses Tages ein "Kreis-Spiel" mit 88 Millionen US-Dollar aufzeigte. BAWAG-Geld, das über amerikanische Firmen an die liechtensteinischen Stiftungen floss. Und an eine Firma Schlaffs...

Der Staatsanwalt meldete auch prompt einen Ausdehnungsvorbehalt zur Anklage an. Nicht nur ihm fehlt die Begründung, warum 88 Millionen US-Dollar "im Kreis geschickt wurden". Vier US-Firmen erhielten jeweils einen BAWAG-Kredit. Dieses Geld wurde an die Flöttl-Firma "Oakcliff" weitergeleitet und landete am gleichen Tag auf den vier liechtensteinischen BAWAG-Stiftungen, die der Verlustverschleierung gedient haben sollten: "Die BAWAG zahlt also Zinsen an sich selbst. Das ist noch nicht strafbar, wenn von der linken in die rechte Tasche geschaufelt wird." Interessant aber, so der Staatsanwalt, wird es erst bei den Provisionszahlungen für den Deal. Davon sollen auch Schlaff-Firmen partizipiert haben. Und: Dieser 88 Millionen-Kredit war eine Gewinnvorauszahlung für das viel später zustande gekommene Telekom-Bulgarien-Geschäft, bei dem die BAWAG dem federführenden Investor Martin Schlaff das Geld zur Verfügung stellte.

"Warum zahlte die BAWAG nicht direkt an die Stiftungen?", will Richterin Bandion-Ortner von den angeklagten Vorständen wissen. Ex-Vorstand Nakowitz: "Das ist kein Verschleierungsversuch, sondern wirtschaftliche Wahlfreiheit." Und bemüht einen Vergleich: "Schenke ich Bargeld, fällt Schenkungssteuer an. Schenke ich ein Sparbuch mit demselben Betrag, nicht."

Schlaff sollte für seine "Vermittlungstätigkeit der amerikanischen Firmen" Provision erhalten, in Form von Verrechnungsschecks. Ausgestellt von Wolfgang Flöttl, durch dessen Firma "Oakcliff" - der Name seines Schiffes - das Geld geschleust wurde.

Flöttl: "Bermuda ist nicht Karibik"
Dieser amüsiert sich über die Vorgangsweise: "Bermuda ist nicht Karibik. Jeder Deal über 10.000 US-Dollar ist anzeigepflichtig." Also wurde es nichts mit einer geplanten Überweisung via Zypern an die Schlaff-Firma, sondern die Verrechnungsschecks wurden mit der Post geschickt. Aber nie eingelöst...

Das "Warum nicht" klärt dann Milliardär Martin Schlaff (54) auf. Jener Martin Schlaff, der eine Million Euro Kaution für seinen "wirklich guten Freund Elsner" hinterlegt hatte. Und den er auch kopfnickend grüßte. "Ich habe diese amerikanischen Firmen gar nicht vermittelt, sondern einen israelischen Geschäftsfreund. Der einzige Mensch, dem ich ein schnelles, risikoloses Geschäft samt guter Provision wirklich gönne, weil er wichtige Charity-Aktionen damit macht." Warum er dann dieses risikolose Geschäft nicht selbst durchgezogen hat? "Es hätte eine wesentliche Bilanzveränderung für mich bedeutet." Und die Verrechnungsschecks? "Nein, keine." Provision? "Nein, keine." Woher stammt dann das Geld, genau 440.000 US-Dollar, auf dem Konto einer seiner Firmen, die nachweislich aus diesem BAWAG-Geldkreislauf stammen? "Das ist eine Provisionszahlung an den israelischen Geschäftsfreund, die ich auf seine Bitte hin steuerschonend geparkt habe."

Der Witz am 88-Millionen-Kreislauf: Das Geld wurde in den Stiftungen so gut investiert, dass es in sechs Jahren 55 Millionen Gewinn brachte...

Von Gabriela Gödel, Kronen Zeitung

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