Sa, 23. Juni 2018

Nie wieder Stau

03.10.2007 20:51

Schienen-Taxis als Verkehrsmittel der Zukunft

Autos gibt es schon jetzt zu viele. Züge mit starren Fahrplänen sind oft überfüllt. Und Fliegen ist für manche Strecken ungeeignet. Wie also lassen sich die Verkehrsprobleme der Zukunft lösen? Mit Schienen-Taxis, meinen Forscher der Uni Paderborn. Ihre Vision: fahrerlose, computergesteuerte Kabinen transportieren auf Abruf Passagiere und Fracht ohne Zwischenstopps und Umsteigen. Nach zehn Jahren Forschung sind die Wissenschaftler soweit, ihr RailCab unter Echtbedingungen zu testen - doch dafür fehlt das Geld.

Im Modell funktioniert das System. Bereits seit 2003 laufen auf einer 600 Meter langen Uni-Teststrecke zwei RailCabs im Maßstab 1:2,5. "Das sind keine Spielzeuge", sagt Professor Joachim Lückel, Initiator des Projekts. Einzelne Elemente wie Antrieb, Fahrwerk oder die Magnetschiene könnten die Forscher direkt an die Industrie übergeben.

Teure Tests
Was fehlt, sind Tests in Originalgröße. Und die sind teuer. Bisher sind Lückel zufolge etwa elf Millionen Euro in das Projekt geflossen. Noch einmal 20 Millionen Euro seien nötig, um einen lebensgroßen Prototypen zu bauen und auf einem Abschnitt der stillgelegten Almetalbahn zu testen. Der Professor zweifelt nicht daran, dass sich ein großes RailCab bewähren würde. Und der Forscher ist ebenso überzeugt, dass die Schienen-Taxis in Serienproduktion den Transport von Menschen und Waren revolutionieren würden.

Bis dorthin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Denn die Kabinen fahren zwar auf normalen Schienen, werden aber von einem so genannten Linearmotor angetrieben, ähnlich wie die Magnetschwebebahn Transrapid. Die Antriebsenergie kommt aus einer Magnetschiene, die zwischen den beiden Fahrschienen verläuft. Damit müssten alle RailCab-Strecken nachgerüstet werden.

Pro Schienenkilometer kostet der Umbau Lückel zufolge bei vorhandenen Strecken 800.000 Euro, bei Neubaustrecken 3,5 Millionen Euro. Viel Geld, sagt der Professor, "aber immer noch billiger als ICE-Neubaustrecken". Zudem müssten neue Weichen eingebaut werden, die es einzelnen RailCabs erlauben, in Sekundenbruchteilen aus einem Konvoi auszuscheren, und die gleichzeitig mit herkömmlichen Zügen kompatibel sind.

Lückel glaubt, dass die enorme Flexibilität und Individualität seines Systems die Kosten mehr als wettmachen könnten. RailCabs könnten der Kitt zwischen Autos, Bahn und Flugzeugen sein. Dank der Computersteuerung wisse man immer, wo sich jede Kabine mit welcher Geschwindigkeit bewege, was Effizienzvorteile biete. Dadurch ließen sich Parkplatzprobleme und Überkapazitäten vermeiden.

Nicht alle Experten teilen Lückels Enthusiasmus. "Gleise umzurüsten ist teurer als wenn man daneben eine zweite reguläre Strecke baut", sagte Edmund Mühlhans, emeritierter Professor und Bahn-Experte an der TU Darmstadt. Abgesehen davon gebe es auf wichtigen Strecken wegen der dichten Zugfolge keinen Platz für RailCabs. Und wenig befahrene oder stillgelegte Strecken bedeuteten Umwege, die eine mögliche Zeitersparnis zunichte machten.

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