18.10.2007 20:52 |

"Übelsetzer"

"Übelsetzer"-Preis für Gorbach

Der viel belächelte Bewerbungsbrief von Alt-Vizekanzler Hubert Gorbach an den britischen Finanzminister Alistair Darling hat dem ehemaligen BZÖ-Politiker jetzt wenigstens eine Auszeichnung eingebracht. Vom Österreichischen Übersetzer- und Dolmetscherverband Universitas wurde er für die "Übelsetzung der Saison" geehrt.

"Mit diesem Brief, bei dem so ziemlich gar nichts stimmt - weder Vokabular noch Grammatik, Syntax oder Idiomatik - hat sich Herr Gorbach den Preis der 'Übelsetzung der Saison' redlich verdient", heißt es in der Begründung.

Ganz besonders angetan hat es der Jury Gorbachs Abschlussformel: "At this time the most important thing for me is that our good contacts will be upright furthermore!" Dabei sei Gorbach in eine sehr typische linguistische Falle getappt: "Hier wurde der deutsche Satzbau ins Englische übertragen und bei den einzelnen Wörtern der erstbeste Eintrag im Wörterbuch verwendet, ohne auf den Kontext zu achten", urteilt die Jury.

Gorbach selbst hatte sich zuletzt verwundert gezeigt, dass sein Brief in der Öffentlichkeit so gar nicht angekommen war: "So schlecht geschrieben ist er im Übrigen auch wieder nicht."

Schreiben an "long-time friend"
Das Schreiben wurde am 18. Juli dieses Jahres verfasst. Empfänger war der von Gorbach als "long-time friend" titulierte britische Schatzkanzler Alistair Darling. Gorbach hatte den Namen seines "Langzeitfreundes" aber leider nicht mehr ganz so intus - er schrieb Alistar statt Alistair.

In dem Brief schildert der Ex-Minister sein Leben als Ex-Vizekanzler. Er habe viele Angebote gehabt, schreibt Gorbach, diese aber wegen einer Vereinbarung ("handshake") mit dem Touristikunternehmer Klaus nicht angenommen. Nach einer gewissen Zeit fühle er aber, "the world in Vorarlberg is too small" ("die Welt in Vorarlberg ist zu klein"), er wolle jetzt sein eigenes Beratungsunternehmen starten.

Dann fragt Gorbach den britischen Politiker, ob dieser nicht irgendeine Betätigung für ihn wisse: "If you know about any area of operation for myself, where I am able to intend all my experiences and my know-how, please let me know, I am available anytime for further information."

Übersetzungsversuch: "Wenn Sie ein Betätigungfeld für mich wüssten, in das ich all meine Erfahrungen und mein Know-How beabsichtigen ("intend") kann, lassen Sie es mich wissen..." Was Gorbach vermutlich sagen wollte: Er sei jederzeit bereit, seine Erfahrungen und sein Know-How zur Verfügung zu stellen. Anruf genügt quasi. Der kam freilich nie, gesteht Gorbach heute ein.

Handschriftliches "a. D." auf Amts-Briefpapier
Bemerkenswert ist an dem Schreiben auch der Briefkopf. Gorbach verwendete sein früheres Amts-Briefpapier mit dem Wappen der Republik. Neben der Bezeichnung "Vizekanzler" fügte er handschriftlich ein "a. D." (außer Dienst) hinzu. Die Ministeriumsadresse am unteren Rand strich er durch und schrieb seine neuen "contact dates" (date = Datum) hin. Die Verwendung der Republiksinsignien verteidigt Gorbach so: "Unter früheren Amtskollegen ist das üblich. Das ist Geschmacksache."

In den Wind gereimt
Auch "Krone"-Kolumnist Wolf Martin hat sich mit einem "englischen" Bewerbungsschreiben an die britische Queen gewandt:

"Dear Queen! I fall to Your feeds down!
I write already in the 'Crown'
a poem daily for my land.
It goes me easy from the hand
and it frustrates me not at all.
But Austria is for me too small.
Engage me therefore, with one word,
please, as the poet of Your court!
To praise Your land and family
would a great pleasure be for me.
No problem is it too for You,
because we both are in EU.
Also my famous countryman,
dear Mr. Gorbach, says, I can
it do to Your great satisfaction
and You will never of my action
be not amused. So I remain
in hope, that I not begged in vain
Your majesty, witch I admire,
Faithful
Wolf Martin (Versifier)"

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