"Der Zerrissene"

Nestroy - gefährliches Spiel mit Langeweile

Die Dekadenz, die sinnentleerte Langeweile einer unterforderten Yuppiegang, die ein (vermeintlich) tödliches Gemetzel braucht, um aus ihrem überfressenen Weltschmerz aufzuwachen, hievte Sabine Mitterecker in einer zeitgeistigen Inszenierung auf die Bühne der Linzer Kammerspiele. Das Stück? Nestroys „Zerrissener“ …

Ja, es ist verstörend zu sehen, wie gut Nestroys reicher Herr von Lips und seine drei Schmarotzerfreunde in unsere Zeit passen (würden). Immer auf der Suche nach ein bisserl Nervenkitzel. Sabine Mitterecker ist in Linz bereits mit zwei Bernhard-Inszenierungen ins Rampenlicht getreten. Und auch diesem Nestroy reißt sie - in der glatten, sterilen Bühnenästhetik von Ralph Zeger - alles Folkloristische vom Leib. Das ist ein spannender Ansatz, nur reizt sie das morbide Spiel (mit) der Langeweile gefährlich aus!

Erst nach der Pause  und wohl auch mit dem erfrischenden Auftritt von „Krautkopf“ Thomas Kasten  kommt Schwung ins verruchte Spiel.
Guido Wachter gibt einen knochentrockenen Lips, Klaus Köhler einen Pete-Doherty-Verschnitt als Sporner, Silvia Glogner glüht als Madame Schleyer, Günter Rainer wetzt als Gluthammer durch die Szene und Lana Cencic ist eine kernige Kathi. Stimmiger Wegweiser durch den Nestroy´schen Dschungel: die Musik von Neboja Krulanovic.

 

 

Foto: Brachwitz

Freitag, 07. Mai 2021
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