04.02.2007 14:13 |

1000 Kilo Sprengstoff

Verheerender Anschlag in Bagdad - 135 Tote!

In der irakischen Hauptstadt Bagdad hat sich am Samstag der schwerste Einzelanschlag seit der US-Invasion vor rund vier Jahren ereignet. Ein Selbstmordattentäter ließ auf einem belebten Markt einen mit einer Tonne Sprengstoff bestückten Lastwagen hochgehen und riss mindestens 135 Menschen mit in den Tod. Mehr als 300 weitere Menschen wurden bei dem Anschlag in einem Schiiten-Viertel verletzt.

Nach der Explosion war noch in weiter Ferne eine dichte Rauchwolke am Himmel zu sehen. Am Tatort klaffte ein riesiger Krater im Erdboden. Zahlreiche umliegende Gebäude wurden zerstört. In den umliegenden Krankenhäusern spielten sich chaotische Szenen ab. Die Gänge waren überfüllt mit Verletzten. Freunde und Angehörige der Opfer schrien verzweifelt um Hilfe.

Nach Angaben des Rundfunks hatte ein Selbstmordattentäter einen in einem Lastwagen versteckten Sprengsatz auf einem Marktplatz im Stadtteil Sadrija zur Explosion gebracht. Zum Zeitpunkt des Attentats sei der Markt gut besucht gewesen, hieß es. Zahlreiche Läden und parkende Autos seien durch die schwere Explosion zerstört worden. In dem Arbeiterviertel leben überwiegend Schiiten und Kurden.

Mehrere Bombenanschläge in Kirkuk
Zuvor waren bei einer Serie von Bombenanschlägen im nordirakischen Kirkuk vier Menschen ums Leben gekommen. Die relativ niedrige Opferzahl deute darauf hin, dass eher kleinere Sprengsätze verwendet worden seien, hieß es. Zudem hätten sich wegen des Wochenendes nicht so viele Menschen auf den Straßen befunden. Zwei Autobomben wurden vor Büros kurdischer Parteien gezündet, eine davon von einem Selbstmordattentäter. Andere Explosionen gab es vor einer Tankstelle und einer Schule.

Die Polizei verhängte umgehend ein Fahrverbot für Autos und errichtete Sperren an den Ausfallstraßen. In der noch weiter nördlich gelegenen Stadt Mossul wurde eine generelle Ausgangssperre verhängt, weil es in mehreren Wohngebieten zu Kämpfen zwischen Aufständischen und Polizisten gekommen war. Nach Polizeiangaben wollten die Rebellen die Kontrolle über die Stadt übernehmen. Im Internet wurde die Botschaft einer der Al-Kaida nahe stehenden Gruppe verlesen, in der die Ausbreitung der Bombenanschläge auf den ganzen Irak angekündigt wurde.

Bush droht Führung in Bagdad mit Konsequenzen
Angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak drohte US-Präsident Bush der Führung in Bagdad mit Konsequenzen, falls sie nicht energisch durchgreifen sollte. Die Verpflichtung der USA zum Militäreinsatz sei nicht unbefristet, sagte Bush am Samstag vor einer Tagung der oppositionellen Demokraten in Williamsburg (Virginia). Bush verlangte von der Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki mehr Führungsstärke. Sie müsse endlich die politischen Reformen in Angriff nehmen, damit alle Iraker das Gefühl hätten, dass die Regierung für sie da sei.

Geistliches Oberhaupt fordert Ende der Gewalt
Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großajatollah Ali al-Sistani, forderte Sunniten und Schiiten unterdessen zu einem Ende der Gewalt zwischen den Anhängern der beiden Religionsgruppen auf.

Die religiösen Differenzen, über die man jahrhundertelang gestritten habe, ließen sich nicht beilegen, schrieb er in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung. Die Muslime sollten in diesen schweren Zeiten daher besser ihre Gemeinsamkeiten betonen, "den Glauben an den einen einzigen Gott".