13.12.2017 08:45 |

"Yves" in Kärnten

122 km/h: So entstand der Föhnsturm

Die extremen Fallwinde des Sturmtiefs "Yves" haben in Kärnten Rekorde gebrochen: Mit 122 km/h - so stark wie noch kein Föhnsturm in den Tälern getobt hatte - fegte der Orkan über unser Land hinweg. Die entfesselte Naturgewalt brachte auch Starkniederschläge, Flüsse traten über die Ufer, Keller wurden überflutet.

In einem Bogen ist "Yves" von Frankreich über die Karnischen Alpen und die Karawanken zu uns gekommen (siehe Grafik): Extreme Temperaturunterschiede entfesselten das Sturmtief, das mit 122 km/h über Ferlach wütete. Das entspricht Orkanstärke (ab 118,53 km/h) und (der höchsten) Windstärke 12 nach der Beaufort-Skala. Es war die höchste je in einem Kärntner Tal gemessene Windgeschwindigkeit. "So starke Südföhnereignisse sind untypisch und wirklich selten", weiß Meteorologe Josef Lukas vom Wetterdienst Ubimet. Martin Ortner von der ZAMG spricht von "einem außergewöhnlichen Föhnsturm". In Bad Eisenkappel und Bad Bleiberg erreichte der Sturm 86 km/h, oben auf der Villacher Alpe wurden sogar 140 km/h gemessen.

Mit dem Sturm kam auch der Regen. Am Loibl in den Karawanken fielen binnen 24 Stunden 144 Liter pro Quadratmeter. Binnen 48 Stunden fiel so viel Niederschlag wie normalerweise in einem ganzen Dezember. Die Regenmassen wiederum ließen Bäche und Flüsse über die Ufer treten. In Villach wurde Hochwasseralarm ausgelöst. Die Gail brachte Überflutungen, Brücken mussten gesperrt und Keller ausgepumpt werden. Ein Sportplatz stand unter Wasser. In Bad Eisenkappel stieg der Wasserstand der Vellach rekordverdächtig hoch an. "Zuerst dachten wir an eine Störung bei der Messstelle", schildert Johannes Moser vom Hydrographischen Dienst. Die Daten logen nicht: Es gab ein 40-jährliches Hochwasser - alles wurde für eine Evakuierung bedrohter Häuser vorbereitet. So weit kam es zum Glück nicht.

In Voraussicht hatte der Verbund bereits im Vorfeld die Drau-Stauseen abgesenkt. Eine Flutkatastrophe wie in Lavamünd 2012 blieb diesmal zum Glück aus.

In den nächsten Tagen soll sich das Wetter beruhigen, die Hochwassersituation dürfte sich entspannen.

Thomas Leitner, Kärntner Krone

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