Fr, 21. September 2018

Francis´s Geschichte

29.11.2017 17:50

Baby-Ronaldo: Zu arm um Fußball spielen zu dürfen

Ein junger Fußballspieler aus Rumänien beeindruckt jeden in Italien, kann aber aufgrund der Armut seiner Familie nicht bei einem Verein angemeldet werden. Chronik von einem Fallbeispiel.

Er wuchs in Torino auf. Seine Eltern kommen aus Bacau in Rumänien, haben schon dort unter prekären Verhältnissen gelebt, dies hat sich auch in Italien nicht geändert. Francis, der Held dieser Geschichte, lebt mit seinen Eltern in den dortigen Blechhütten, aber regulär hat er keinen gemeldeten Wohnsitz. Und ein Wohnsitz ist unbedingt nötig, um in eine Fußballmannschaft aufgenommen zu werden.  Sein Trainer sagt: "So können wir ihn nicht aufnehmen, was schade ist, weil dieser Junge ein Kämpfer ist".

In seinem Zimmer gibt es keine Posters auf der Wand, anstelle von Stars und Popgruppen zu bestaunen, sieht der Beobachter lediglich leere Flächen. Die Jugend heutzutage bewundert ihre Lieblinge anscheinend nicht mehr auf den Bildern im Zimmer, stattdessen trägt sie sie immer und überall in der Tasche mit. "ich bin kein Fan, von keiner Mannschaft. Die einzigen Spiele, die ich schaue, sind die von Cristiano Ronaldo. Sein Foto ist als Hintergrund auf meinem Handy eingestellt"

Cristiano Ronaldos Luxuslebensstil ist aber ziemlich weit entfernt vom Francis´s Schicksal. Francis, 14 Jahre alt, mit kurzem Haar, aufgerichtet. Er trägt eine Trainingshose und dazu Fußballschuhen mit Stoppel. Er trainiert fast immer, sein Wunsch ist, so stark zu werden, wie sein Idol. Er trainiert bei Polisportiva Centrocampo, beim lokalen Verein. Er stich dort auch heraus mit seinem unbändigen Willen, aber in der Meisterschaft darf er nicht antreten. Das Problem: Die Bürokratie und der Armut.

Polisportiva Centrocampo ist ein Verein der Integration. Sein Präsident Roberto Petito meinte gegenüber "Corriere dello Sport" Das ist eine Grezzonenmannschaft. 35 Prozent unserer Athleten stammen aus dem Ausland. Mehrere unter ihnen kämpfen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wir haben aber nie jemanden ausgeschlossen.

Und dann kam der junge Francis aus Rumänien und die Geschichte verkomplizierte sich. Der junge hat eine schwierige Kindheit hinter sich, Er ist in Bacau geboren, zog mit 10 jahren nach Italien nach Turin, mit seinem Vater, mit seiner Mutter und seiner großen Schwester.

Da wir kein Geld hatten - erzählt Francis dem "Corriere" - lebten wir sechs jahre in den Blechhütten von Lungo Stura Lazio an der Periphärie der Stadt. Aus diesem Blechdschungel konnten wir mit viel Mühe entkommen. Mir war es wichtig, weiter weg vom Fluss zu wohnen. In der Nähe des Flußes war es oft nass und es war schwierig da Fußball zu spielen.

Er hat aber nie den Traum aufgegeben, einer wie Ronaldo zu werden. In der Mittelschule gibt man ihm die Möglichkeit, mit der Schulmannschaft mitzutrainieren, das Integrationsprojekt "Niemand Abseits" macht ihm das möglich. Er will aber mehr. Francis ist kein Ass am Ball, aber er kämpft bis zum Ende" - sagt der dortige Trainer über ihn. Timothy Donato fügt noch hinzu: wir haben alles versucht ihn registrieren zu lassen, doch ohne Wohnadresse sind wir immer wieder gescheitert

Francis´Fall ist kein Einzelfall. Er ist legal in Italien, hat keine Aufenthaltsgenehmigungsprobleme. Aber obwohl er seit Jahren in Torino wohnt, kann er keine Wohnadresse beantragen, weil sein Vater keine stabile Arbeit hat. Und weniger als 5550 Euro im Jahr verdient. Das reicht für den Antrag nicht.

Es gab auch schon Trainer die ihn ohne Erlaubnis auf das Feld geschockt hatten. Das ging eine Zeit gut. Bis Francis bei einem Spiel wegen Fluchens ausgeschlossen wurde. Da fragte man ihn nach seiner Registrierungsnummer.  Der Verein musste 180 Euro Strafe zahlen. Jetzt hofft man darauf, dass ein Bürgermeister einer italienischen Stadt Francis eine Wohnadresse schenkt. Damit sein Traum vom "neuen Ronaldo werden" noch erhalten bleibt.

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