"Vier Pfoten"-Aktion

“Trauma-Therapie” für Tiger aus Aleppo

Tierecke
31.10.2017 07:53

Erst vor zwei Monaten rettete die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" die zwei Tiger "Sultan" und "Sayeeda" aus einem verwahrlosten Zoo nahe der umkämpften Stadt Aleppo. Nach einem kurzen Aufenthalt in der Türkei und in Jordanien brachte die Tierschutzorganisation die beiden Tiere am 16. Oktober in ihre eigene Großkatzenstation "Felida" in Nijeberkoop in den Niederlanden. Dort erwartet die Tiger besondere medizinische Betreuung sowie spezielles Training, um ihre Traumata zu verarbeiten.

Nachdem die Tiger, vermutlich Geschwister, am 21. Juli aus dem Zoo des Vergnügungsparks "Magic World" nahe der Stadt Aleppo evakuiert worden waren, brachten die "Vier Pfoten" sie gemeinsam mit elf weiteren Tieren nach Jordanien. Doch das Wildtierschutzzentrum "Al Ma’wa for Nature and Wildlife", eine Stunde von Amman entfernt, war für "Sultan" und "Sayeeda" nur ein vorübergehendes Zuhause.

Geburt wohl während des Krieges in Syrien
"Es ist schön zu beobachten, dass sich die beiden Tiger so gut erholt haben. Da 'Sayeeda' und 'Sultan' noch sehr jung sind, gehen wir davon aus, dass sie während des Kriegs im syrischen Zoo zur Welt kamen. Ihre Eltern sind vermutlich verhungert oder durch Bombenangriffe ums Leben gekommen. Bei ihrer Rettung waren die Geschwister stark abgemagert und voller Parasiten. Sultan erlitt sogar einen Herzstillstand, konnte aber wiederbelebt werden", schildert "Vier Pfoten"-Tierarzt Dr. Amir Khalil, der für die Rettungsmission der syrischen Zootiere verantwortlich ist.

Gesundheitschecks und intensive Betreuung
Die schlechten Zeiten gehören nun aber endgültig der Vergangenheit an. Experten versorgen die beiden Tiger in der Großkatzenstation "Felida" rund um die Uhr. "Um Verhaltensmuster und Gesundheitszustand festzumachen, beobachten wir die Tiere in den ersten zwölf Tagen besonders intensiv. Wir vermuten, dass die beiden Geschwister das Resultat von Inzucht sind. Deshalb müssen wir einen speziellen Rehabilitationsplan für sie erstellen", sagt van Genne. Neben regelmäßigen Untersuchungen, stehen auch Verhaltensanreicherungen und mentale Trainings an der Tagesordnung. Damit sollen Vertrauen aufgebaut und gleichzeitig die Traumata des Krieges verarbeitet werden. Ziel ist es, dass die Tiger nach zwei Jahren Betreuung in ein noch größeres Tierschutzzentrum ziehen können.

(Bild: Vier Pfoten)

Bis es soweit ist, bleiben die zwei Tiger in der "Vier Pfoten"-Großkatzenstation "Felida", die in dem niederländischen Ort Nijeberkoop liegt. Mit der Übernahme des Projekts im Jahr 2014, übernahm die internationale Tierschutzorganisation gleichzeitig die Verantwortung für die darin untergebrachten 26 Großkatzen. Da "Felida" primär als Transit- und Rehabilitierungsstation dient, übersiedelten die "Vier Pfoten" den Großteil der Wildtiere in das ebenfalls eigene Großkatzenschutzzentrum "Lionsrock" in Südafrika. Heute leben neben "Sayeeda" und "Sultan" noch fünf weitere Tiger, die zu alt oder schwach für eine Weiterreise sind, in der niederländische Großkatzenstation. In Zukunft soll "Felida" ausgebaut werden, um noch mehr Großkatzen, gerettet aus schlechten Haltungsbedingungen, aufnehmen zu können.

Eine heikle Rettungsmission: Von Syrien in die Niederlande
Die "Vier Pfoten" holten die Tiger "Sultan" und "Sayeeda" gemeinsam mit anderen Zootieren aus Syrien. Unterstützt von internationalen Sicherheitsfirmen, dem türkischen Ministerium für Forst- und Wasserwirtschaft und türkischen Helfern fand die Evakuierung der ersten neun Tiere aus dem verwahrlosten Zoo des Vergnügungsparks "Magic World" in der Nähe von Aleppo am Freitag, den 21. Juli statt. Eine Woche später gelang die Rettung der restlichen vier leidenden Tiere. Die Tierschutzorganisation brachte alle 13 ehemaligen Zoobewohner über die syrisch-türkische Grenze in ein Tierschutzzentrum in Karacabey nahe der türkischen Stadt Bursa. Dort wurden die verletzten und traumatisierten Tiere medizinisch versorgt, ehe die Ausreise nach Jordanien genehmigt wurde.

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