Sa, 23. Juni 2018

Türkiser Ex-Kanzler

15.09.2017 06:14

Janker statt Slimfit: Schüssel wirbt für Kurz

An diesem Abend ist die ÖVP noch ganz Traditionspartei und weniger dynamische Bewegung. Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel ist zu Gast im oststeirischen Vorau, das ist tiefschwarzes, pardon, tieftürkises Kernland. Nach einem Besuch im nahen Stift zieht Schüssel mit einer Entourage an regionalen Bürgermeistern und Funktionären Richtung Schule. Ein eklatanter Männerüberschuss, viel Steirerjanker, wenig Slimfit.

"Normalerweise mische ich mich nicht in die Innenpolitik ein", sagt Schüssel zu Beginn. Doch hier im gut besuchten Turnsaal macht er eine Ausnahme, um einen loyalen Mitstreiter aus der Vergangenheit zu unterstützen: Klubobmann Reinhold Lopatka, der als Listenerster in seinem Wahlkreis um sein Mandat kämpfen muss. Der drittgereihte Christoph Stark führt seit Wochen einen engagierten Vorzugsstimmenwahlkampf.

"Es braucht im neuen Nationalrat Profis wie Lopatka", wirbt Schüssel, ehe er zum eigentlichen Thema übergeht, das genau zur neuen Plakatserie von Sebastian Kurz passt: "Österreich wieder an die Spitze bringen." Gemeint ist: so wie damals, als Schüssel Bundeskanzler war und deutsche Medien Österreich feierten.

Österreich "ein kleines Paradies, vom lieben Gott geschenkt"
Er spannt in seiner Rede einen breiten Bogen, vom notwendigen Schutz der EU-Außengrenze über Bürokratie und Landwirtschaft bis zur Globalisierung und Digitalisierung. Ein Lob auf unser Österreich ("ein kleines Paradies, vom lieben Gott geschenkt") darf natürlich ebenso wenig fehlen wie ein klares Bekenntnis zu Europa und eine Wahlempfehlung für Kurz: "Er hat die Reformen richtig skizziert." Am Ende dann ein Appell an das Publikum: "Wir müssen größer träumen. Fangen wir bei dieser Wahl an!"

Beim anschließenden Buffet ist die große Zuversicht bei jedem Gespräch spürbar. Ein Wahltriumph zeichnet sich ab, mancher wünscht sich schon ein Ergebnis von mehr als 35 Prozent. Von einem großen Zulauf zur Partei wird berichtet - und von Vorfreude auf Sonntag: Da ist Kurz selbst im Bezirk zu Gast. Dann wird eher die neue Volkspartei dominieren: dynamischer, türkiser und mit mehr Slimfit.

Jakob Traby, Kronen Zeitung

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