Fall Mohamed H.

Vom Gemüsehändler zum kaltblütigen IS-Killer?

Österreich
06.07.2017 16:50

"Ich habe am 1. Juli 2015 den Behörden gemeldet, dass Mohamed H. ein IS-Schläfer sein könnte. Aber ich bekam niemals eine Antwort!" Die "Krone" sprach mit jenem Anrainer, der als Erster Verdacht schöpfte, dass mit Mohamed H. (54), dem mutmaßlichen Doppelmörder von Linz-Urfahr, etwas nicht stimme.

"Ich war früher oft in dem Bio-Laden seiner Frau einkaufen. Bis sie ihn kennengelernt hat und bald darauf ein Kopftuch zu tragen begann. Seither habe ich Mohamed H. immer wieder beobachtet, wenn ich gegenüber an der Haltestelle auf die Bim gewartet habe", erinnert sich der Linzer: "Er ließ sich nach einigen Jahren einen Bart wachsen, trug nur noch Kaftan und Käppi. 2014, als sich immer mehr Europäer dem IS anschlossen, war er plötzlich weg."

(Bild: Christoph Gantner)

Als der Tunesier Mitte 2015 wieder auftauchte, war er ganz westlich gekleidet und glatt rasiert. Der Anrainer: "Er hat sich verfolgt gefühlt, aggressiv reagiert, wenn man nur in seine Richtung geblickt hat." Der Linzer erstattete am 1. Juli 2015 (also einen Tag und zwei Jahre vor dem Doppelmord an einem Seniorenpaar in Linz) per Mail bei der Meldestelle für Rechtsradikalismus Anzeige, dass es sich um einen IS-Schläfer handeln könnte. Tatsächlich wurde Mohamed H. vom Verfassungsschutz einvernommen, aber als ungefährlich eingestuft, nachdem er erzählt hatte, in Tunesien bestohlen und in Libyen inhaftiert worden zu sein.

"Wer konnte, ging ihm aus dem Weg"
"Wer konnte, ging ihm aus dem Weg." Die Bewohner der Biesenfeldsiedlung in Linz-Urfahr haben keine guten Erinnerungen an Mohamed H., der 23 Jahre mit Frau und Tochter mitten unter ihnen gelebt hat. Er galt als schwierig und aggressiv, fühlte sich stets als Muslim und Ausländer benachteiligt. Partnerin Margarita Z. meint: "Seine Tat war ein Aufschrei - er wollte ein Signal setzen, endlich Beachtung bekommen." Vom IS, sagt die Konvertitin zur "Krone", wusste sie nichts.

Video: Doppelmord für FPÖ "bluttriefender Skandal"

Kronen Zeitung

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