Sa, 15. Juni 2019
20.02.2017 14:07

In der Schweiz

André Heller: Millionen in drei Briefkastenfirmen

Schweizer Journalisten haben am Montag brisante Details zu den Finanzgebarungen von André Heller (69) veröffentlicht. So soll der politisch sehr aktive Künstler über zahlreiche Briefkastenfirmen Geschäfte abgewickelt haben. Die Firmen waren teils bereits in den 1980er-Jahren gegründet worden. Heller selbst erklärt die Gründung heute mit der politischen Lage in Österreich unter Bundespräsident Kurt Waldheim. Auch handle es sich nicht um Briefkastenfirmen, "sondern um Vermögensverwaltungsgesellschaften".

André Heller hat sich immer mit opulenten Projekten in Szene gesetzt - und dabei finanziell oft Grenzen überschritten. Der Schweizer "Tagesanzeiger" veröffentlichte nun einen Artikel zu Hellers Firmen aus den 1980er-Jahren. Der international tätige Künstler ließ seine Gesellschaften über einen Schweizer Anwalt verwalten: Die Artevent AG und die Kurrent Holding AG sind an der Adresse einer Züricher Anwaltskanzlei registriert.

Für 2009 wies die Artevent AG einen Gewinn von 8,2 Millionen Franken (rund 7,6 Millionen Euro) aus. Hellers Schweizer Verwaltungsrat gab gegenüber dem "Tagesanzeiger" an, dass in dieser Summe sämtliche seit der Gründung der Gesellschaft 1986 erzielten Gewinne kumuliert seien: "Ausschüttungen wurden keine vorgenommen." Heller selbst sagte, dass bei seinen Firmen alles korrekt gelaufen sei.

Schweizer Firmen wegen Waldheim-Affäre?
Die Firmen waren in den 1980er-Jahren gegründet worden, Heller erklärte dies mit den damals politisch angespannten Verhältnissen in Österreich: 1986 wurde Kurt Waldheim zum Bundespräsidenten gewählt, trotz seiner vormaligen Mitgliedschaft bei der SA. Die Waldheim-Affäre belastete das Verhältnis Österreichs zu den USA. Heller sagt heute, seine Vertragspartner in den USA hätten Verträge lieber mit einer Gesellschaft in einem unbelasteten Staat abschließen wollen. Also sei die Firma Admart, die heute nicht mehr existiert, in Zug in der Schweiz gegründet worden.

Der "Tagesanzeiger" berichtete jedoch, Gerichtsakten aus den USA würden dieser Darstellung widersprechen: Tatsächlich schlossen die US-Partner einen Vertrag mit Hellers österreichischer Gesellschaft ab. Erst später wurde diese Gesellschaft an die Admart in Zug verkauft. 2011 wurde die Firma liquidiert, das österreichische Finanzamt forderte kurze Zeit später im Zuge einer Steuerprüfung Nachzahlungen in Millionenhöhe.

Heute wieder Holding in Wien
2008 wurde mit der Kurrent Holding eine weitere Firma in Zürich gegründet, wieder von dem Züricher Rechtsanwalt. Heller scheint dort als alleiniger Gesellschafter auf. Auf diese Holding wurde das Vermögen der Artevent übertragen, die zuvor Hellers Parkanlage am Gardasee verwaltet hatte. Heute konzentriert der Künstler seine wirtschaftlichen Aktivitäten wieder in der Wiener Holding Wise Decisions. Diese Firma soll heute auch Eigentümerin der Schweizer Kurrent Holding sein.

Heller: "Steuerzahlungen wurden geleistet"
In einem Statement am Montag betonte Heller zudem, dass es sich bei Artevent AG und später Kurrent AG um keine Briefkastenfirmen, "sondern Vermögensverwaltungsgesellschaften, die seit 20 Jahren keine Projekte mehr abwickeln", handle. Sie sollen insbesondere die Liegenschaft in Gardone mit dem von Heller gestalteten "Giardino Botanico" verwalten.

Auch soll die Artevent AG seit der Betriebsprüfung durch das Finanzamt im Jahr 1998 keine Projekte mehr abgewickelt haben: "Alle Projekte ab 2000 wurden von der Artevent GmbH mit Sitz in Wien durchgeführt, insbesondere die Kristallwelten von Swarovski, der Pavillon bei der Expo Hannover, die Mitwirkung an der Eröffnungsveranstaltung der Fußball-WM 2006, "Afrika! Afrika!" etc. Alle Gewinne wurden in der Artevent GmbH versteuert, hohe Körperschaftsteuerzahlungen wurden geleistet", so Hellers Anwalt in einer Aussendung. Die "unrichtigen Behauptungen" seien ein Versuch, die Glaubwürigkeit und Integrität des Künstlers zu erschüttern.

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