19.02.2017 13:02 |

"Auf Todesliste"

Malaysia: Nordkorea plante Mord an Kims Halbbruder

Die malaysischen Ermittlungen zum Mord an Kim Jong Uns Halbbruder Kim Jong Nam in Malaysia Anfang der Woche haben nach Angaben Südkoreas ergeben, dass Nordkorea hinter dem Attentat steckt, wie ein Sprecher des Wiedervereinigungsministeriums am Sonntag in Seoul sagte. Dafür spreche auch, dass fünf Verdächtige aus Nordkorea kämen. Einer von ihnen ist in Haft, nach den vier weiteren werde mit Hochdruck gefahndet. Kim Jong Nam stand angeblich seit Jahren auf der Todesliste.

Vier Personen, darunter ein Nordkoreaner - ein 46-Jähriger namens Ri Jong Chol -, wurden bereits festgenommen, die vier weiteren Verdächtigen aus Nordkorea im Alter von 33 bis 57 Jahren hätten das Land noch am Tag des Giftanschlags verlassen.

Malaysische Ermittler gaben am Sonntag im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt, man suche nach Ri Ji Hyon, O Jong Gil, Ri Jae Nam und Hong Song Hac. Von drei weiteren Nordkoreanern erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse in dem Fall, sagte der stellvertretende Generalinspektor der Polizei, Noor Rashid Ibrahim. Die Verdächtigen seien nicht mit Diplomatenpässen gereist.

In Haft befinden sich neben Ri Jong Chol, der als Gastarbeiter in Malaysia bei den Behörden gemeldet war, die 25-jährige Indonesierin Siti Aisyah und ihr malaysischer Freund Muhammad Farid Bin Jalaluddin sowie die 28-jährige Vietnamesin Doan Thi Huong.

Frauen Agentinnen oder wirklich "ausgetrickst"?
Bei den Frauen wird spekuliert, dass sie Agentinnen des nordkoreanischen Geheimdienstes sind. Allerdings hieß es am Samstag in indonesischen Medien, dass die Indonesierin "ausgetrickst" worden sein könnte. Die Frau habe glauben sollen, sie nehme an einem Streich für eine Fernsehshow mit versteckter Kamera teil. "Wenn sie wirklich eine Agentin wäre, wäre sie wohl nicht gefunden worden", sagte Indonesiens Polizeichef Tito Karnavian laut örtlichen Medienberichten.

Der Diktator-Halbbruder war am Montag auf dem Flughafen von Kuala Lumpur während eines nur wenige Sekunden dauernden Überfalls getötet worden. Südkoreanischen Medien zufolge sprühten ihm die Täter Gift ins Gesicht, bevor er an Bord einer Maschine nach Macau gehen wollte. Die Autopsie der Leiche ergab bisher keine genaue Todesursache. Man warte immer noch auf die Ergebnisse der Obduktion sowie der toxikologischen Untersuchung, teilte die malaysische Polizei mit.

Kim-Halbbruder bereits seit Jahren auf Todesliste
Der 45-jährige Kim Jong Nam war der ältere Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Beide haben denselben Vater, den früheren Machthaber Kim Jong Il, aber unterschiedliche Mütter. In der nordkoreanischen Herrscherdynastie gab es bereits mehrfach Mordfälle. Kim Jong Nam lebte seither die meiste Zeit im Ausland. Mehrfach äußerte er sich kritisch über die Situation in seinem Heimatland, der letzten kommunistischen Dynastie. Als Regimegegner galt er jedoch nicht.

Laut Angaben südkoreanischer Parlamentarier versuchte der Nachbar im Norden 2012 schon einmal, Kim Jong Nam zu töten. Daraufhin habe dieser seinen Halbbruder in einem Brief um Gnade für sich und seine Familie gebeten. Er habe dabei auch betont, dass er keine Gefahr für Kim Jong Un darstelle und im Norden kaum politische Unterstützung habe.

Nicht der erste gewaltsame Tod in der Kim-Familie
Falls sich die nunmehrigen Spekulationen über einen Mordanschlag auf Order aus Pjöngjang als wahr erweisen, wäre dies ein weiterer gewaltsamer Tod in der Familie. Im Dezember 2013 etwa hatte Kim Jong Un seinen Onkel und engen Berater Jang Song Thaek, dem Kim Jong Nam sehr nahegestanden sein soll, hinrichten lassen. Seither soll die Sorge bei Kim Jong Nam groß gewesen sein - immer wieder gab es Gerüchte, dass ihn sein Halbbruder loswerden wollte.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).