Di, 25. September 2018

In Silvesternacht

29.12.2016 11:53

Köln: Flüchtlinge als Wachmänner eingesetzt?

Paukenschlag in der Causa rund um die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht vor einem Jahr: Wie die "Bild"-Zeitung am Donnerstag berichtete, sollen in der Horror-Nacht 59 Flüchtlinge ohne entsprechende Qualifikation als Wachmänner eingesetzt geworden sein. Demnach hätten sie damals erst kurze Zeit in Deutschland gelebt und seien in einem Erstaufnahmelager für fünf Euro pro Stunde als Security-Kräfte angeheuert worden. Bei mindestens neun Flüchtlingen soll es zu Zwischenfällen gekommen sein, einer sei sogar alkoholisiert zum Dienst erschienen.

Nach "Bild"-Angaben habe eine Wachschutzfirma im Auftrag der Stadt Köln im Dezember 2015 Wachleute gesucht. Die Flüchtlinge seien erst unmittelbar vor dem Einsatz an Silvester in Erstaufnahmelagern angeworben worden, hieß es.

Kriterium für Wachdienst: "Warme Kleidung mitbringen"
Die Kriterien im Stellenangebot seien lediglich die "Beherrschung der deutschen Sprache, zumindest mittelmäßig" und "Warme Kleidung mitbringen" gewesen. Den Auftrag habe der betreffende Sicherheitsdienst dann an ein anderes Unternehmen als Subunternehmen weitergegeben. "Bild" liegen nach eigenen Angaben die Einsatzpläne mit den 59 Namen der Flüchtlinge vor. Die meisten würden aus Nordafrika, Syrien und Afghanistan stammen. Ihr Stundenlohn habe fünf Euro betragen, der Stadt Köln seien vom Sicherheitsdienst später aber deutlich höhere Beträge pro Stunde und Wachmann in Rechnung gestellt worden, schrieb das Blatt.

Ein Flüchtling ließ das Funkgerät mitgehen
Laut dem Einsatzplan sei es nach "Bild"-Angaben beim Wachdienst der Flüchtlinge zu mindestens neun Zwischenfällen gekommen. So habe etwa an einem Einsatzort ein Wachmann alkoholisiert Dienst geschoben, ein Asylbewerber habe unmittelbar nach Dienstbeginn seinen Posten verlassen. Ein Kollege habe gegen 22 Uhr seinen Einsatz nach zwei Stunden abgebrochen, an einem weiteren Einsatzort habe ein Wachmann laut Einsatzprotokoll das Funkgerät mitgehen lassen.

Stadtverwaltung wusste offenbar nichts vom Einsatz von Flüchtlingen
Die Kölner Stadtverwaltung soll erst an diesem Mittwoch durch die "Bild"-Zeitung vom Einsatz der Flüchtlinge erfahren haben. Sie erklärte auf Anfrage, in der Vergangenheit habe sich die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma "grundsätzlich unproblematisch" gestaltet. Lediglich heuer zum Karneval seien bei einer Kontrolle Verstöße gegen die Vertragsbedingungen festgestellt und auch mit einer Vertragsstrafe geahndet worden. Von Fehlverhalten der eingesetzten Flüchtlinge auf den Rheinbrücken sei bisher nichts bekannt gewesen. Vor dem Einsatz sei lediglich die Anzahl der Wachleute überprüft worden, nicht aber deren Qualifikation. Da habe man sich auf den beauftragten Sicherheitsdienst verlassen.

Franz Hollauf
Franz Hollauf

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