25.09.2006 10:29 |

Rätselhaft

Baphomets Fluch 4: Der Engel des Todes

George Stobbart ist zurück! Die Hauptfigur der legendären "Baphomets Fluch"-Reihe muss sich auch in "Der Engel des Todes" mit allerlei düsteren Gestalten herumschlagen und dabei noch das Rätsel um ein geheimnisvolles Manuskript lösen. Natürlich läuft - George ahnt es von Anfang an - kaum etwas nach Plan.

Als Anna-Maria in das kleine, schäbige Rechtsanwaltsbüro des ehemaligen Abenteurers George Stobbart stolpert und um Hilfe bittet, kann er einfach nicht nein sagen. Eine spektakuläre Flucht folgt - ausgerechnet die New Yorker Mafia hat es nämlich auf Anna-Maria abgesehen.

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Genauer gesagt auf ihr geheimnisvolles lateinisches Manuskript, das von einem Patriarchen berichtet, von einer Stadt und einem Schatz. Als alter Schatzjäger ist George sofort Feuer und Flamme, seine hübsche Begleiterin tut natürlich ihr übriges. So stürzen sich die beiden in ein waghalsiges Abenteuer, das sie quer über den Erdball bis in den Vatikan führt. Denn auch die Kirche hat Interesse am Geheimnis rund um den namensgebenden "Engel des Todes".

Die erste halbe Stunde von "Baphomets Fluch 4" ist als Tutorial zu verstehen - klettern, Gegenstände benützen und Kisten verschieben steht auf dem Stundenplan - schließlich bewegt sich George neuerdings in 3D-Umgebung. Die Rätsel beschränken sich anfangs auf logische Verknüpfungen des überschaubar gehaltenen Inventars. Eine auflockernde Idee, die der Spielvielfalt gut tut: George kann Anna-Maria anweisen, ihm zu helfen. So hält sie beispielsweise eine Sicherung fest, sodass er ohne Stromschlag einen wackeligen Steg überqueren kann.

Klickorgien und lose Strähnen
Quer durch das Spiel ziehen sich zwiespältige Gefühle - in praktisch jedem Punkt gefällt eine Idee der Entwickler, während eine andere enttäuscht. Beispiele gefällig? George kann dankenswerterweise nicht nur gehen, sondern auch laufen. Dummerweise läuft er mit Vorliebe gegen Wände und Türstöcke, statt durch Türen hindurch. Unter Zeitdruck in Gebäuden zu agieren, wird so zur Klickorgie. Wirklich ärgerlich sind die aufgrund der vertrackten Steuerung frustrierenden Schleicheinlagen. Wenn George zu einem genauen Zeitpunkt zu einem Ort laufen soll, ist Ärger programmiert. Warum solche Stellen, die nur auf Versuch und Irrtum basieren, überhaupt in ein Adventure eingebaut werden, bleibt ein Rätsel, über das sich die Entwickler einiger Abenteuergames einmal Gedanken machen sollten!

Nächstes Exempel ist die Grafik. Während die Hintergründe liebevoll und gestochen scharf gelungen sind, ist bei den Haaren der Protagonisten irgendetwas gewaltig schief gegangen: Da hängen schon mal Strähnen ohne Verbindung zum Scheitel vom Kopf.

Unhöfliche Holzgesichter
Auch die Mimik der Protagonisten weiß nicht zu überzeugen, abgesehen davon wirken die Gesichter grob geschnitzt. Zudem stören Grafikfehler die Spielillusion. Mit einem alten Säufer wird mehrmals hintereinander ein Dialog geführt, währenddessen läuft Georges alte Bekannte Nico unzählige Male direkt durch George hindurch. Ein weiteres Manko: Oft steht eine Person mit dem Rücken zum Gesprächspartner - wie unhöflich!

Rätselhaft...
Weiter geht's im Auf und Ab der Spielergefühle: Nicht alle Rätsel gefallen. Einige Logikrätsel, die mit Hilfe des antiken Manuskripts gelöst werden müssen, sind wunderbar gelungen - sie versprühen den unübertrefflichen Charme eines Indiana-Jones-Films. Die Hackerrätsel, die endloses Probieren und keine graphisch ansprechende Oberfläche bieten, hätten sich die Entwickler zugunsten zahlreicherer Logikrätsel besser gespart. Löblich hingegen, dass der Spieler nicht am Anfang des Levels starten muss, sollte George entdeckt werden oder gar sterben. Die Speicherpunkte sind sehr fair gesetzt und lassen daher kaum Frust aufkommen.

Auch die Hintergrundgeschichte entwickelt leider nicht ihr volles Potenzial. Die Mafia, die George und Anna-Maria verfolgt, bietet zwar am Anfang eine Abwechslung zur üblichen Kirchen-Verschwörungs-Suppe, die wird jedoch später in die Geschichte eingeflochten - was dann wieder nicht recht zur Mafia passen will. Wenigstens taucht nach Anna-Marias Entführung Georges alte Freundin Nico auf - Wiedersehen macht Fans der Reihe Freude! Im Manuskript dargestellte Ritter und Patriarchen hingegen sucht der Spieler, abgesehen von einer leblosen Begegnung mit steinernen Figuren, vergebens. Schade, gerade mysteriöse Charaktere mit uraltem Wissen faszinieren und ein Spiel wie dieses schreit geradezu nach einer Einbindung.

Fazit:
Alles in allem fällt es schwer, ein eindeutiges Urteil zu fällen. Die Steuerung ist relativ gut gelungen, doch dass unzählige Sprachsamples vor dem Ende plötzlich abbrechen, irritiert und zerstört den Charme des Spiels mehr, als es sämtliche Klickorgien zusammen könnten. Insgesamt ist George leider viel zu selten an historischen Schauplätzen unterwegs, die Schatzjägergefühle und Spannung aufkommen lassen. Die wahre Geschichte rund um den "Engel des Todes" entwickelt sich erst in den letzten fünfzehn Minuten, was eindeutig zu kurz ist. Insgesamt jedoch ein kurzweiliges Spiel, das gute Ansätze und knackige Rätsel bietet. Die Interaktion mit anderen Figuren macht Spaß und es gibt wohl sowieso niemanden, der George Stobbarts Charme widerstehen könnte...

Plattform: PC
Publisher: THQ
Krone.at-Wertung: 80 %

Von Bernadette Geißler

Mittwoch, 05. Mai 2021
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