13.09.2006 13:51 |

Harte Worte

Handke bezeichnet Grass als "Schande"

Mit scharfen Worten verurteilt der Schriftsteller Peter Handke Günter Grass' spätes Bekenntnis, in seiner Jugend Mitglied bei der Waffen-SS gewesen zu sein: "Er ist eine Schande für das Schriftstellertum", sagt Handke in einem Interview. Grass' Outing sei "so selbstgerecht wie er seit 50 Jahren: böser, selbstgerechter Formalismus."

Handke kritisiert in dem Interview mit "News" auch die "Sprache, mit der er das betreibt". Bei Grass komme "nichts von innen." Und weiter: "Wenn man den Titel '100 Jahre Einsamkeit' abwandeln könnte, müsste man sagen: '50 Jahre Selbstgerechtigkeit'."

Er würde Grass ein "bisschen Innerlichkeit wünschen". Grass sei "drei Jahre seines Lebens ein Genie" gewesen und "seither ahmt er sein Genie nach. Er ist seit 50 Jahren ein Genienachahmer mit Hilfe einer toten Sprache."

Handke: Nazi-Anhängerschaft ist "ewiger Makel"
Auch die "Ausrede", wie Handke es nennt, Grass habe die Situation mit 17 Jahren nicht richtig einschätzen können, nimmt er unter Beschuss: "Das Nazitum, ob es in Danzig war oder nicht, hat ein Volk zum Feind des Erdenlebens erklärt, und das waren die Juden. Sogar ein Zwölfjähriger muss spüren: Wenn ein anderes Volk als schlecht hingestellt wird, ist diese Ideologie grundböse." "Grass hat es gewusst und nicht demgemäß gehandelt. Das ist ein ewiger Makel eines empörenden Menschen", so Handke.

Mittwoch, 23. Juni 2021
Wetter Symbol