Mi, 22. August 2018

Türkei

17.07.2016 12:34

Innsbruckerin (20) landete mitten im Putsch-Chaos

265 Tote, weit über Tausend Schwerverletzte, 2800 Festnahmen: Das ist die verheerende Bilanz der Chaos-Nacht in der Türkei. "Krone"-Mitarbeiterin Lara Heiss (20) aus Innsbruck reiste am Freitag noch nach Bodrum - sie schildert, wie es nach ihrer Ankunft auf den Straßen zuging, Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Macht inszenierte & in den Medien alles vertuscht wird.

Die Vorfreude war groß bei Lara. So wie üblich im Sommer, ging es Freitag endlich wieder zu Verwandten und Freunden in die Türkei. Am Vormittag saß die junge Innsbruckerin im Flieger von München in Richtung Istanbul, ehe es um 18 Uhr weiter nach Bodrum gehen sollte. Doch daraus wurde nichts - vorerst. "Ich haben die Maschine verpasst, weil Tausende Menschen bei den strengen Passkontrollen anstanden", erzählt Lara.

Nach stundenlangem Hin und Her erreichte sie den nächsten Flug um 22 Uhr - und es sollte auch der letzte sein. Denn während die 20-Jährige in großer Höhe ihrem Ziel entgegen flog, ging es am Boden mit dem Putschversuch des Militärs bereits zur Sache. "Als wir gelandet sind, zückten alle gleich ihre Handys, doch das Internet war zu diesem Zeitpunkt schon so gut wie abgedreht", schildert Lara, die vom Ausmaß des Chaos noch keine Ahnung hatte.

"Sollten für Demokratie auf die Straße gehen"

Auf den Straßen dann großer Wirbel: "Tausende Leute liefen umher, fuhren noch eilig zum Einkaufen, Tanken und Geld abheben." Daheim angekommen, schaltete die 20-Jährige sofort das Radio ein. Entgegen den Gerüchten, dass Präsident Erdogan außer Landes gebracht wurde, ja gar untergetaucht sei, erlebte Lara ganz anderes: "Erdogan war ständig im Fernsehen und er hat immer wieder geredet. Alle türkischen Bürger haben sogar eine SMS bekommen, dass wir für die Demokratie auf die Straße gehen sollen."

"In Nachrichten keine Rede von Todesopfern"

Während des Gesprächs Samstag Vormittag schien Lara immer noch keine Ahnung vom Ausmaß zu haben. "Das ist doch ein Witz. Drei Stunden und dann war auch alles schon wieder vorbei." Als die Innsbruckerin, die bereits im März als Austauschstudentin den Terror in Istanbul miterlebte, dann von der "Krone" erfuhr, dass in der Chaos-Nacht 265 Menschen starben, es Tausende Verletzte und Festnahmen gab, verfiel sie in Schockstarre. "Das gibt’s doch nicht. Ich habe in der Früh noch die Nachrichten gehört und es wurde von all dem nichts berichtet."

Hat Präsident Erdogan alles nur inszeniert?

Auf den Straßen wird indes schon wild spekuliert. "Es gehen schon die Gerüchte um, dass Erdogan dies alles geschickt inszeniert hat, um seine Macht zu demonstrieren", ergänzt Lara.

Das Wichtigste: Der 20-Jährigen geht es gut. Sie will nun ihren Urlaub genießen, auch wenn es angesichts der schrecklichen Vorkommnisse Freitag Nacht ziemlich schwer fallen dürfte.

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