Di, 21. August 2018

Negativzinsen

13.07.2016 16:23

Deutschland verdient Geld mit Schuldenaufnahme

Erstmals in der Geschichte hat Deutschland mit der Aufnahme neuer langfristiger Schulden Geld verdient. Am Mittwoch wurde eine zehnjährige Anleihe in der Höhe von mehr als vier Milliarden Euro herausgegeben, bei der unter dem Strich eine "Rendite" von durchschnittlich minus 0,05 Prozent herausspringt, wie die deutsche Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Mit anderen Worten: Berlin erhält von den Gläubigern für die Schuldenaufnahme Geld, statt ihnen Zinsen zu zahlen.

Deutsche Staatspapiere werfen für Investoren seit Längerem sehr geringe Erträge ab. Dieses Phänomen ist nicht erst seit dem Brexit-Votum in Großbritannien bekannt. Seit Beginn der Euro-Schuldenkrise flüchten Investoren immer wieder in sichere Anlagen, bei denen sie zumindest nicht riskieren müssen, ihr Kapital zu verlieren. Derzeit lässt sich mit griechischen (rund acht Prozent) und portugiesischen Anleihen (knapp drei Prozent) das meiste Geld verdienen, sie sind aber auch die risikoreichsten.

Deutschland und Österreich gelten als ausfallsicher
Papiere solider Länder wie Deutschland oder auch Österreich gelten als quasi ausfallsicher. Aufgrund der großen Nachfrage nehmen Anleger immer niedrigere Zinsen in Kauf. Aufgrund von Vorschriften sind sie auch gezwungen, einen Großteil ihrer Anlagen in sicheren Wertpapieren zu halten. Davon profitiert der Staat.

Experten begründen die Entwicklung zudem mit der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Im Kampf gegen die gefährlich niedrige Inflation und das schwache Wachstum in der Eurozone kauft sie im großen Stil Anleihen. Jeden Monat pumpt sie so 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. Zudem hat sie ihren Leitzins im März auf null Prozent gesenkt.

Überangebot an billigem Geld
Das Überangebot des billigen Geldes lässt die Renditen von Anleihen ebenso fallen wie Zinsen für Bankeinlagen. Das soll aus Sicht der EZB Verbraucher anregen, mehr zu konsumieren, statt Ersparnisse aufs Konto zu legen. Unternehmen sollen überdies mehr investieren - Kredite werden für sie billiger. Über beide Wege will die EZB Wachstum und Inflation in der Eurozone erhöhen.

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