Mi, 22. August 2018

Quoten auf Talfahrt

12.04.2016 06:01

Gute Nacht, Österreich: ORF-Früh-TV in der Krise

Feuer am Dach des ORF-Zentrums nach nur zwei Wochen Frühstücksfernsehen: Der "Neugierde-Effekt" für das neue Format "Guten Morgen Österreich" scheint sehr rasch verpufft zu sein, viele Zuseher wechseln wieder zum Früh-TV-Pionier Puls 4. Nach anfänglich respektablen Quoten muss nun Krisenmanagement betrieben werden.

Denn der Privatsender und Frühstücks-TV-Pionier Puls 4 landete mit seinem Format "Cafe Puls" im Wochengesamt-Marktanteil bei der werberelevanten Zielgruppe 12-49 Jahre (siehe Grafik oben) vor dem öffentlich-rechtlichen Mitbewerber.

In der Zielgruppe der Über-Zwölfjährigen liegt der ORF zwar (noch?) vor dem privaten Mitbewerber. Doch der zum Großteil durch Gebührengeld finanzierte Staatsfunk muss sich die Frage gefallen lassen: Rechnet sich die neue Morgenshow?

ORF kämpft mit finanziellem Dilemma
ORF-Insider bestätigen der "Krone", dass man sich in einem finanziellen Dilemma befinde. Zwar ist der ORF laut einer aktuellen Studie die sechstreichste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt in Europa (siehe Grafik unten) - aufwändige Shows wie "Guten Morgen Österreich" gibt es aber freilich nicht von der Stange.

Das Sendungsbudget des "Goliath" ORF beläuft sich pro Jahr auf geschätzte zwölf Millionen Euro. Bei rund 250 Produktionen im Jahr ergibt das Kosten von 48.000 Euro pro Sendung.

Im Vergleich der "David" Puls 4: Hier beträgt das Sendungsbudget lediglich ein schlankes Fünftel im Vergleich zu jenem des großen Konkurrenten. Wohl einer der Gründe: Während "David" aus einem Studio in Wien sendet, tourt "Goliath" mit teuren Übertragungswagen durchs Land.

Finanzausschuss-Sondersitzung am 2. Mai
Dass es Aufregung hinter den ORF-Kulissen gibt, belegt auch eine für 2. Mai angesetzte Sondersitzung des Finanzausschusses. Dort sollen auf Antrag des Stiftungsrates die Kosten des neuen Frühstücksfernsehens genau unter die Lupe genommen werden (ebenso wie die Klage von Bundespräsidentschaftskandidat und Baumeister Richard Lugner gegen sein TV-Auftrittsverbot im ORF).

Auch der inhaltliche Mix von "Guten Morgen Österreich" ist umstritten. ORF-General Alexander Wrabetz will zum Frühstück keine harten Nachrichten servieren, sondern mit sogenannten Soft News wie Garten- und Fitnesstipps punkten. Seit 29. März ist "Guten Morgen Österreich" on air und im ganzen Land mit seinen Trucks unterwegs.

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