So, 26. Mai 2019
08.01.2016 14:57

Kommentierte Ausgabe

"Mein Kampf": Deutsche Neuauflage präsentiert

Rund 70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches haben Historiker die erste deutsche Neuauflage von Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" vorgestellt. Die fast 2000 Seiten starke kritische Edition sei als eine "Gegenrede zu Hitlers Schrift" zu verstehen, sagte der Leiter des Editionsprojekts am Münchner Institut für Zeitgeschichte, Christian Hartmann, am Freitag. Die Neuauflage war nach Auslaufen des Urheberschutzes Ende 2016 möglich geworden.

Nach Hitlers Tod gingen die Schutzrechte für das Buch, das bis 1945 rund zwölf Millionen Mal in Deutschland gedruckt worden war, für 70 Jahre auf den Freistaat Bayern über, der die Zustimmung zu einer Neuauflage stets verweigerte.

Dass "Mein Kampf" nun ohne urheberrechtliche Einschränkung publiziert werden könne, habe die kritisch kommentierte Edition geradezu zwingend erforderlich gemacht, sagte der Direktor des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, Andreas Wirsching. Es wäre schlicht unverantwortlich, "dieses Konvolut der Unmenschlichkeit" kommentarlos zu veröffentlichen, "ohne ihm eine kritische Referenzausgabe entgegenzustellen, die Text und Autor gleichsam in die Schranken weist".

Neuausgabe soll Hitlers "Lügen" enttarnen
Laut Hartmann kann die umfassend kommentierte Neuausgabe einem breiten Publikum verdeutlichen, dass es sich bei dem Buch "über weite Strecken um eine aggressive wie ordinäre Hasspredigt handelt". "Dieses Buch war und ist ein Symbol, daran hat sich bis heute nichts geändert." Es müsse heute verstanden werden als "das gedankliche Zentrum einer menschenverachtenden wie mörderischen Ideologie, deren Verwirklichung schließlich in der größten Katastrophe endete, welche die Geschichte kennt", führte der Historiker aus. Die Neuausgabe "enttarnt die von Hitler gestreuten Falschinformationen und seine Lügen". Sie sei ein "wissenschaftlicher Dienst an der Würde der Opfer" und trage zu einer "Entmystifizierung" der Hetzschrift bei.

Wirsching verwies in dem Zusammenhang auch auf das aktuelle Erstarken rechter Bewegungen in Europa. Derzeit drohten "entsprechende Denkhaltungen wieder salonfähig zu werden". Deswegen sei es "erforderlich, die entsetzlichen Triebkräfte des Nationalsozialismus und seines tödlichen Rassismus zu erforschen, kritisch zu präsentieren und einer informierten Öffentlichkeit zur Diskussion zu überlassen".

Jüdischer Weltkongress beklagt "überflüssige" Publikation
Der Jüdische Weltkongress (WJC) kritisierte die Neuauflage. Die Veröffentlichung sei "überflüssig", sagte WJC-Präsident Ronald S. Lauder am Freitag in New York. Historiker und alle anderen, die Zugang zu dem Buch bräuchten, hätten ihn bereits. "Von diesem abscheulichen und giftigen Buch sind schon genug Exemplare gedruckt worden", so Lauder weiter. "Es wäre also am besten, 'Mein Kampf' dort zu lassen, wo das Buch hingehört - im Giftschrank der Geschichte." Der WJC hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nicht in Israel lebenden Juden politisch zu vertreten.

Etwas nüchterner betrachtet der deutsch-israelische Historiker Moshe Zimmermann die Neuauflage von "Mein Kampf". Der Wissenschaftler befürchtet keinen Missbrauch der kommentierten Neuausgabe durch Rechtsradikale. "Tatsache ist, dass die Rechtsradikalen in Deutschland kaum etwas mit dem Text anfangen können - weil er nicht aktuell ist, weil er langweilig ist. Das bedeutet, dass die Gefahr nicht besteht, die man in der Öffentlichkeit aus Ignoranz erwartet. Man kann hier und dort Sätze aus dem Text benutzen, aber dann ist es egal, ob man sie aus 'Mein Kampf' oder aus anderen Texten von Hitler nimmt", so Zimmermann.

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