Mi, 15. August 2018

Neue Strategie

22.11.2015 17:57

Geheimdienstchef: "IS will Provinzen etablieren"

Der Präsident des deutschen Bundesnachrichtendienstes, Gerhard Schindler, hat in einem Fernsehinterview am Sonntag vor einer neuen, globaleren Strategie der Terrormiliz Islamischer Staat gewarnt. Der IS würde verstärkt versuchen, sich in die Arbeit dschihadistischer Gruppen im Ausland einzubringen, so Schindler gegenüber Spiegel TV. Ziel sei meist der Treueschwur regionaler Gruppen und die Etablierung neuer "IS-Provinzen", so der BND-Chef.

"Mittlerweile zeichnet sich ab, dass der IS aus seinem Kerngebiet in Nahost heraus Aktivitäten in weiteren auswärtigen Gebieten plant oder versucht, sich in die Arbeit von dschihadistischen Gruppen vor Ort einzubringen", sagte der BND-Chef im ersten Fernsehinterview in seiner bislang vierjährigen Amtszeit.

Konkret ist in Sicherheitskreisen die Rede von der gezielten Entsendung von Emissären des IS zur Etablierung neuer "IS-Provinzen" in anderen Ländern. Die Terrormiliz wolle jedenfalls weltweit immer mehr regionale, formal noch unabhängige Terrorgruppen beeinflussen - teilweise bis zur Vorgabe konkreter Ziele und Anleitungen bei der Tatausführung. "Der Islamische Staat will inzwischen verstärkt den Eindruck eines weltweiten Systems erwecken, das immer größer wird", so Schindler.

Militärmächte suchen Strategie gegen den Terror
Klar ist: Im Kampf gegen den IS braucht die internationale Gemeinschaft eine gemeinsame Strategie. Die großen Militärmächte USA, Russland, Frankreich und Großbritannien suchen in den kommenden Tagen nach einem Bündnis gegen den IS-Terror. Im Mittelpunkt steht der französische Präsident Francois Hollande, dessen Land durch die Anschläge von Paris tief erschüttert wurde. Hollande wird am Dienstag in Washington mit US-Präsident Barack Obama sprechen, zwei Tage später in Moskau mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin. Schon am Montag kommt der britische Premierminister David Cameron nach Paris.

70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg könnten sich somit die vier Alliierten, die Nazi-Deutschland besiegt haben, erstmals wieder zusammenschließen. Es sind auch vier der fünf Vetomächte im UNO-Sicherheitsrat vertreten - nur China fehlt. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel will sich am Mittwoch in Paris ebenfalls mit Hollande abstimmen. Von einem militärischen Beitrag Deutschlands gegen den IS ist jedoch noch nicht die Rede.

London erhöht Ausgaben für Anti-Terror-Kampf um 30 Prozent
Ob eine neue Allianz gegen den Terror tatsächlich zustande kommt, ist offen. Alte Konflikte sitzen tief. Jeder der vier Oberbefehlshaber ist mit einer anderen innenpolitischen Lage konfrontiert. Die britische Regierung kündigte am Wochenende an, die Ausgaben für den Anti-Terror-Kampf um 30 Prozent erhöhen zu wollen. Laut Finanzminister George Osborne sollen die Ausgaben für Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus in einem Zeitraum von fünf Jahren um insgesamt 15 Milliarden Pfund (rund 21 Milliarden Euro) aufgestockt werden.

Aus dem Video-Archiv: Razzia gegen Paris-Drahtzieher

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