11.03.2006 15:00 |

H5N1 in Europa

Weitere Wildvögel mit Vogelgrippe gefunden

In Europa sind weitere mit Vogelgrippe infizierte Wildvögel gefunden worden. Vier in der Nähe der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki verendete Schwäne waren mit dem gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 infiziert. Das teilte das griechische Landwirtschaftsministerium am Samstag mit. Damit ist die Zahl der Fälle in Griechenland, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, auf 30 gestiegen. Der Virus-Subtyp H5N1 ist auch für den Menschen gefährlich.

Bei einer Ente in der Schweizer Stadt Schaffhausen wurde das Virus H5 festgestellt, wie das Bundesamt für Veterinärwesen in Bern mitteilte. Auch ein toter Schwan, der bei dem polnischen Dorf Warniki in einem Nationalpark an der Oder gefunden worden war, hatte die Geflügelpest. Das teilte die polnische Veterinärbehörde mit. Bei beiden Vögeln - aus der Schweiz und aus Polen - muss noch untersucht werden, ob es sich um den Virus-Typ H5N1 handelt.

FAO-Direktor erwartet Entspannung
Der für die Vogelgrippe zuständige Direktor der Welternährungsorganisation (FAO) in Rom, Samuel Jutzi, erwartet in den kommenden Wochen eine Entspannung der Lage der Tierseuche in Europa. "Bei Temperaturen um 20 Grad Celsius beträgt die Überlebensdauer von H5N1 höchstens einen, bei Kälte bis zu dreißig Tage", sagte Jutzi dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Der Vogelkundler Wolfgang Fiedler ergänzte allerdings, es könne in dieser Zeit zu "überraschenden Virus-Transporten" kommen, deren Verlauf sich erst im Herbst zeigen werde. Beide Experten halten Zugvögel aber nur für einen von mehreren Übertragungswegen des Erregers. Illegaler Vogelhandel und Tierfutter seien weitere denkbare Infektionsquellen.

Bisher 22 Tote in Indonesien
In Indonesien sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher 22 Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Das Labor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Hongkong habe bestätigt, dass ein zwölfjähriges Mädchen das 22. Opfer des H5N1-Virus in Indonesien gewesen sei, teilte ein Sprecher des Ministeriums in Jakarta mit. Die Zwölfjährige sei am 1. März auf Java gestorben. Sie habe vor ihrem Tod engen Kontakt mit kranken Hühnern gehabt.

Steinmarder auf Rügen mit Vogelgrippe infiziert
In Deutschland ist die Vogelgrippe - genauer gesagt auf Rügen - weltweit erstmals bei einem Steinmarder nachgewiesen worden. Das Anfang März noch lebend gefundenen Tier sei mit dem Virus H5N1 infiziert gewesen, hatte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Donnerstag auf der Insel Riems berichtet. "Obwohl mit diesem Fund eine weitere Säugetierart erstmals betroffen ist, ändert sich die grundsätzliche Einschätzung der Seuchensituation nicht", sagte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter.

Der Steinmarder stamme wie die drei Katzen, bei denen eine Infektion mit H5N1 festgestellt wurde, aus dem Zentrum des Seuchengeschehens auf der Insel Rügen. Es sei aber schon bemerkenswert, dass sich das Spektrum der von H5N1 infizierten Säugetierarten damit ausgeweitet habe. Weltweit war bisher keine Infektion von Marderartigen mit dem H5N1-Virus beschrieben worden.

Erster Fall in Serbien
Am Donnerstag hat Serbien seinen ersten Vogelgrippefall gemeldet. Das Virus H5N1 sei vom EU-Referenzlabor im britischen Weybridge bei einem im Nordwesten Serbiens tot aufgefundenen Schwan nachgewiesen worden, gab das Landwirtschaftsministerium in Belgrad bekannt. Im Fundgebiet nahe der Stadt Sombor seien alle Sicherheitsvorkehrungen zur Bekämpfung einer Ausweitung der Tierseuche ergriffen worden, hieß es weiter.

Zehntes Opfer in China
In China ist ein neunjähriges Mädchen an der Vogelgrippe gestorben. Die Behörden in der ostchinesischen Provinz Zhejiang berichteten am Mittwoch, das Mädchen habe sich mit dem lebensgefährlichen Virus H5N1 in einer Gegend angesteckt, wo zuvor kein Ausbruch der Vogelgrippe gemeldet worden war. Es ist das zehnte offiziell bestätigte Todesopfer durch die Vogelgrippe und die 15. Infektion eines Menschen mit der Geflügelseuche in China.