Di, 11. Dezember 2018

Inferno auf Fähre

07.01.2015 08:55

Schülerin (15) ertrank neben dem Rettungsboot

Mehr als eine Woche nach dem katastrophalen Brand auf der Adria-Fähre "Norman Atlantic" gibt es immer noch keine offiziellen Zahlen von Todesopfern und Vermissten. Mindestens 13 Menschen kamen bei dem Drama ums Leben. Eine der Toten ist ein 15 Jahre altes Mädchen aus Deutschland, die - wie nun bekannt wurde - neben dem Rettungsboot, in dem ihr Vater und ihre Schwester saßen, im Meer ertrank. "Die Wellen waren so stark, dass jede Hilfe nutzlos war", schrieb ein Bekannter der Familie auf Facebook.

Bei der Katastrophe waren nach derzeitigem Erkenntnisstand elf Passagiere sowie zwei Rettungskräfte ums Leben gekommen. Neun Todesopfer wurden bisher identifiziert. Zwei weitere Leichen wurden zwar von den Rettungseinheiten lokalisiert, aber noch nicht geborgen. Die Zahl der Vermissten dürfte zwischen zehn und 18 betragen. An Bord befanden sich fünf Österreicher, die sich retten konnten.

Mädchen war mit Eltern und Schwester an Bord
Rasha C. aus der Ortschaft Peine in Niedersachsen war mit ihren Eltern und ihrer 17-jährigen Schwester an Bord der "Norman Atlantic", als auf der Fähre am 29. Dezember vor der griechischen Insel Korfu Feuer ausbrach, wie die "Peiner Allgemeine Zeitung" berichtete. Das Lokalblatt beruft sich bei seinen Angaben zum Schicksal des Mädchens auf Mohammed H., einen Bekannten der Familie mit libanesischen Wurzeln.

Der Mann schildert auf Facebook den tragischen Tod der 15-Jährigen: "R., ein Mädchen, das vielen Menschen das Leben gerettet hat, aber selbst ums Leben kam. 15 Jahre und schon so mutig." Rasha habe demnach vor ihrem Tod heldenhaft etliche Passagiere gewarnt. "Als R. den Brand erkannte, hat sie umgehend fast alle Menschen an Bord geweckt. Sie ist durch das Schiff gelaufen und hat allen gesagt, dass es brennt", schreibt Mohammed H.

"Wellen waren so stark, dass jede Hilfe nutzlos war"
Vater und Schwester des Mädchens schafften es den Angaben des Mannes zufolge dann in ein Rettungsboot, doch Rasha verfehlte beim Sprung von der Fähre das Boot - und ertrank im Meer. "Die Wellen waren so stark, dass jede Hilfe nutzlos war. Ein paar Tage später wurde ihre Leiche an der albanischen Küste gefunden", so Mohammed H. "Deine Heldentat wird immer in Erinnerung bleiben", schreibt er weiter. "Ich bitte euch alle, Gebete für diese Familie zu verrichten."

In Peine, dem Wohnort der Familie, herrscht große Bestürzung. Die 15-Jährige spielte bei den B-Juniorinnen des VfB Peine Fußball und war Torjägerin ihrer Mädchenmannschaft. "Wir sind alle geschockt", sagte ihre Trainerin gegenüber der Lokalzeitung. "Wir haben der Familie unser Beileid ausgesprochen und fühlen mit den Angehörigen." In sozialen Netzwerken gibt es von Freunden und Bekannten zahlreiche Beileidsbekundungen.

Mutter gilt immer noch als vermisst
Die Angehörigen in Deutschland erwarten nun laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung", dass der Vater am Mittwoch mit den sterblichen Überresten des Mädchens wieder in Deutschland eintrifft. Unklar ist weiterhin das Schicksal der Mutter der Familie: sie gilt immer noch als vermisst.

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